Das Besondere der Fahrradinitiative ist, dass sie aus den Mitteln des Bürgerhaushalts finanziert wurde, einem eigenen Finanztopf der Stadt, über den die Bürger selbst bestimmen können. Der Bürgerhaushalt wurde in Wrocław 2013 gegründet, anfangs standen nur 700.000 Euro für Bürgerprojekte zur Verfügung, inzwischen sind es fast acht Millionen Euro. Sie können für Fahrradwege oder Sport- und Spielplätze ausgegeben werden, die Anwohner entscheiden selbst darüber. 16.000 Einwohner sprachen sich vor vier Jahren für mehr Fahrradwege aus, eine Zahl die bis heute nicht übertroffen wurde. Vor Kurzem setzten sich sich rund 7.000 Breslauer und Breslauerinnen dafür ein, die Beleuchtung eines Parks im westlichen Stadtteil zu verbessern.

Parks und Grünanlagen spielen in Breslau eine wichtige Rolle, vor allem für die Verbesserung der Luftqualität. Die Luft ist besonders im Winter verdreckt. Noch immer heizen mehrere Zehntausend Stadtbewohner ihre alten Häuser in der Innenstadt mit Kohle und verbrennen in den Öfen ihren Müll. Aus den alten Kachelöfen quellen dann dunkle Wolken und legen sich über die Stadt. Allerdings verbessert sich die Luftqualität von Jahr zu Jahr, weil die Stadt zu 100 Prozent den Austausch der alten Heizöfen finanziert. In den Jahren 2014 bis 2017 hat Wrocław dafür rund 70 Millionen Zloty ausgegeben, rund 16,6 Millionen Euro. Sogar in Brüssel gab es dafür Anerkennung. Die Europäische Kommission lobte Wrocławs Bemühungen um die saubere Luft, als sich die Stadt um den Titel der Grünen Hauptstadt Europas bewarb.

Verwaltung mit "Grüner Abteilung"

Die Stadtverwaltung hat inzwischen sogar eine "Grüne Abteilung" eingerichtet, die sich um eine "ausgleichende Entwicklung" kümmern soll, sprich: weniger Autos und mehr umweltfreundlichen, öffentlichen Nahverkehr. Direktorin Katarzyna Szymczak-Pomianowska will vor allem das Bürgerengagement stärken. "Sie selbst können am besten zum Beispiel das Potenzial einschätzen, aus einer maroden Substanz eine Grünanlage zu machen", sagt sie. Vor Kurzem überraschten Seniorinnen und Senioren die Beamten, als sie vorschlugen, eine Brachfläche zwischen Wohnblocks zu einem kleinen  Park umzugestalten. Das Projekt gewann einen Wettbewerb und soll nun umgesetzt werden.  

Nicht immer aber klappt es reibungslos mit der Bürgerbeteiligung. Szymczak-Pomianowskas Vorgängerin musste gehen, weil sie ohne das Okay der Anwohner Hunderte von Bäumen in einem Park im Westen der Stadt fällen ließ. "So etwas sollte nicht mehr vorkommen und daraus ziehen wir eine Lehre", verspricht Vizebürgermeisterin Magdalena Piasecka.