Unterdessen hat der ADAC mit dem Leiter seines Technikzentrums, Reinhard Kolke, drei aktuelle Pkw-Modelle mit Dieselmotor auf dem Prüfstand und auf der Straße gemessen: einen BMW, einen Peugeot und einen Volvo. Mit hervorragenden Ergebnissen, die vor fünf Jahren noch undenkbar erschienen: "Der Diesel hat also eine Zukunft", urteilt Kolke. Die niedrigsten Messwerte für Stickoxide erreichte der Peugeot 308. Er stieß je nach Fahrzyklus zwischen 30 und 45 Milligramm pro Kilometer aus – das liegt weit unterhalb der Grenzwerte für das Labor (80 Milligramm je Kilometer) und die Straße (168 Milligramm je Kilometer).

Der PSA-Konzern mit den Marken Peugeot und Citroën zeigt also mal wieder, wie wichtig ihm die Abgasreinigung ist. Dort wurde schon im Jahr 2000 der Partikelfilter eingeführt, als die deutschen Hersteller noch mit "innermotorischen Maßnahmen" punkten wollten. Und seit Jahren haben sämtliche Modelle des französischen Herstellers einen sogenannten SCR-Katalysator, der Stickoxide durch das Einspritzen einer Harnstofflösung (AdBlue) in Wasser und Stickstoff umwandelt.

Das Verfahren erfordert zwar das regelmäßige Nachfüllen von AdBlue, und der Kat ist in der Produktion teuer. Die Messwerte sprechen dennoch für sich. Es sagt viel über das Interesse an umweltfreundlichen Produkten aus, dass PSA den SCR-Katalysator selbst in den Kleinwagen Peugeot 208 einbaut, während kein einziger Volkswagen Golf einen solchen Kat hat.

Es gibt sie also jetzt schon, die sauberen Neuwagen nach Euro 6d-Temp. Der Verbrennungsmotor kommt dem technisch Machbaren bei der Abgasreinigung näher.

Die Luftqualität steigt

Leider verhält sich die Bundesregierung so, dass Käufer, die auf diese Abgasnorm achten, davon keinen Vorteil haben. Das Verkehrsministerium tut alles, um die Besitzer von Autos im Bestand und speziell derer mit Dieselmotor nicht zu schädigen. Dies könnte Kaufinteressenten in einer falschen Sicherheit wiegen, denn zurzeit ist es sehr leicht, einen preisgünstigen Neuwagen mit alter Abgasnorm zu hohen Nachlässen oder einen billigen Gebrauchtdiesel zu bekommen.

Bei preisgünstigen Euro-6b-Autos ist also Vorsicht geboten. Dass die Bundesregierung bislang keine Sanktionen erlassen hat, ist keine Garantie für die Zukunft – siehe die Debatte über Fahrverbote und die blaue Plakette. In der Vergangenheit hat sich meist gezeigt, dass die Regierung so handelt, dass im Ergebnis der Verkauf neuer Autos angekurbelt wird. Nur selten wurden der Industrie Lasten auferlegt.

Darüber hinaus sollte sich jeder Kunde die Frage stellen, ob ihm die Luftreinhaltung persönlich gleichgültig ist oder nicht. Es ist auf jeden Fall erfreulich, dass Diesel- und Benzinmotoren in den nächsten zwei Jahren immer sauberer werden. Die Atemluft in den Städten wird sich qualitativ verbessern, daran besteht kein Zweifel. Eigentlich hätte das aber längst passiert sein sollen.