Doch ganz so einfach ist es nicht. In vielen afrikanischen Ländern scheitern Mobilitätskonzepte an der Politik. In Nairobi zum Beispiel liegen seit fast 20 Jahren Pläne für ein Schnellbussystem auf den Schreibtischen der Verantwortlichen in der Regierung. Warum es nicht weitergeht, weiß niemand. "Die Streckenpläne sind gezeichnet, die Finanzierung steht und trotzdem fahren die Busse immer noch nicht", sagt Alex Körner vom Umweltprogramm der Vereinten Nationen in Nairobi, das das Konzept mit erarbeitet hat. In Nairobi steigen die Menschen jetzt auf Motorradtaxen um. Die kommen schneller durch den stockenden Straßenverkehr – aber sie verursachen auch mehr Unfälle.  

Lionel Mpfizi unterstützt VW bei dem neuen Mobilitätskonzept in Kigali. Sein Start-up Awesomity Lab programmiert die Mobilitäts-App. Sein Finger fährt schnell über das Telefondisplay: Fahrzeug auswählen – klick. Abholstation – klick. Stundenanzahl – klick. Bezahlt wird ebenfalls über die App. Die junge Firma, in der der älteste Mitarbeiter gerade mal 24 Jahre alt ist, hatte sich überraschend gegen internationale Bewerber durchsetzen können. Auch deshalb, weil sie vor gar nicht langer Zeit bereits eine ähnliche App für Nigeria programmiert hatte. "Leider ist die App nie online gegangen. Das Konzept ist an der Regierung gescheitert", erklärt Mpfizi.

Entspannung durch Fuß- und Radwege

In Windhoek, der Hauptstadt Namibias, lässt sich dagegen sehen, wie der Verkehr entspannt werden kann. Unter deutscher Kolonialherrschaft wurde die Stadt so angelegt, dass das florierende Zentrum den Reichen vorbehalten war, arme Einheimische hatten außerhalb zu wohnen. Diese soziale Ungleichheit hat sich bis in die Gegenwart gehalten. "Man muss sich vorstellen, dass eine Frau, die in den Vororten Windhoeks wohnt, bis vor Kurzem fast ein Viertel ihres Gehalts für Transport ausgegeben hat, nur um zur Arbeit in die Stadt zu kommen", erklärt Heinrich Semar, Projektmanager für Transport, Mobilität und Logistik bei der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) in Namibia. Wer das Geld nicht hatte, ging zu Fuß. Auch weite Strecken.   

2016 hat die Regierung mithilfe des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung einen Masterplan für nachhaltigen Stadtverkehr entwickelt. Der enthielt Fuß- und Radwege, aber auch ein Bussystem für den Nahverkehr. So sind heute rund 50 blau-weiße Busse unterwegs, die vor allem zu Stoßzeiten Pendler transportieren. Zur Arbeit, zur Schule, zum Krankenhaus. Bezahlt wird per Geldkarte, für eine Strecke umgerechnet rund 30 Cent. "Und der Stadtverkehr hat sich auch spürbar entspannt", ergänzt der GIZ-Projektleiter.

Ruanda plant bereits den nächsten Schritt: In Zukunft wollen sie auf Elektromobilität setzen. Auch hier will sich VW positionieren. "Wenn Afrika etwas im Überfluss hat, dann ist es Sonne", sagt Thomas Schäfer. Ruanda ist von Nachbarländern umschlossen und muss Kraftstoff, der im Hafen von Mombasa ankommt, noch Tausende Kilometer über Land transportieren. Das kostet viel und schadet außerdem der Umwelt. "Ich glaube, wir werden alle verblüfft sein, wie schnell hier Elektrofahrzeuge auf den Straßen sein werden", sagt Schäfer.