Verstopfte Innenstädte, hohe Abgasbelastung: Ruandas Regierung muss handeln. Wie eine aktuelle Studie zeigt, sind alte Gebrauchtwagen die Hauptursache für die hohen Abgaswerte in Kigali. Und jedes Jahr werden es mehr Fahrzeuge. So wie die Mittelschicht wächst, steigt auch das Bedürfnis nach Statussymbolen.

"Man kann von einer mobilen Revolution in Afrika sprechen", sagt Alex Körner, der für das UN-Umweltprogramm in Nairobi arbeitet. Zwei große Herausforderungen kämen auf den Kontinent zu: "Wie kann man vermeiden, dass die Städte im Chaos versinken? Und wie bekommt man die Luftverschmutzung in den Griff? Smog-Metropolen wie in China müssen wir unbedingt vermeiden." Wenn Körner von der Innenstadt Nairobis zum Flughafen fährt, braucht er dafür manchmal bis zu vier Stunden – dabei sind es nur 15 Kilometer Strecke.

In Kigali sieht die Verkehrssituation noch nicht ganz so verheerend aus, doch man will Weichen stellen, bevor es zu spät ist. Ruanda hat sein Straßennetz ausgebaut und einen städtischen Linienbus auf den Weg gebracht. "Wir nehmen Transport und Mobilität sehr wichtig und auch, wie viel Zeit Menschen im Straßenverkehr verbringen," sagt Clare Akamanzi vom Vorstand für Entwicklung in Ruanda. "Denn das hat direkte Auswirkungen auf unsere Wirtschaftskraft."   

Ein neues Verkehrskonzept

Die wächst seit Jahren stabil mit zwischen sieben und acht Prozent pro Jahr. Doch wer Stunden im Stau steht oder lange Anfahrtswege zur Arbeitsstelle hat, kann weniger leisten, so die einfache Rechnung. Ruanda hat deshalb die Türen weit geöffnet, als Volkswagen nach einem vierten Standort auf dem Kontinent suchte.

Denn zusammen mit dem neuen Werk, das am Mittwoch eröffnet wurde, will der Autobauer auch ein neues Konzept für den Verkehr testen. VW startet mit einer App für Carsharing und Ridehailing, also für das Teilen sowohl von Autos als auch von Fahrten. Mehrere Großstädte in Afrika kollabieren bereits regelrecht unter ihrem Verkehrsaufkommen", sagt Thomas Schäfer, der bei VW für die subsaharische Region verantwortlich ist. "Geteilte Mobilität kann da Druck herausnehmen."

Tatsächlich könnte in Afrika viel schneller funktionieren, woran man in Europa und den USA die Autofahrer gerade erst gewöhnen will. Nämlich dass nicht jeder ein eigenes Auto besitzen und fahren muss, sondern Mobilität geteilt werden kann. Für den Weg zur Arbeit oder zur Schule kann man sich per App verabreden. Uber, sonst der Platzhirsch bei solchen Angeboten, ist noch nicht in Ruanda. Deshalb dürfte Kigali für Volkswagen genau der richtige Laborraum sein. "Doch das, was wir hier ausprobieren, ist nicht nur ein Experiment für Ruanda", sagt Schäfer. "Wir glauben, dass das ein Schlüssel für viele Länder Afrikas sein kann." Drei von vier Afrikanern haben ein Handy, aber nur vier Prozent ein Auto. "Ich glaube daran, dass man hier Entwicklungsstufen überspringen und es von Anfang an richtig machen kann", ist Schäfer überzeugt.