"Ein klares Alarmsignal", so deutet Jens Martin Hoyer, der stellvertretende Vorstandsvorsitzende der AOK, die Ergebnisse der aktuellen Familienstudie seiner Krankenkasse, die am Montag in Berlin vorgestellt wurde. Das IGES Institut hat dafür knapp 5.000 Mütter und Väter befragt und unter anderem herausgefunden: Jede dritte Familie bewegt sich zu wenig, mehr als die Hälfte der Eltern ist zu dick, oft sind es die Väter. Weitere Ergebnisse im Einzelnen:

Medienkonsum: Statt rauszugehen, spielen Kinder besonders an freien Tagen auf Smartphone und Tablet. 59 Prozent der Kinder von vier bis sechs Jahren nutzen Medien länger als die von Experten empfohlene halbe Stunde am Tag, am Wochenende liegt dieser Wert sogar bei 84 Prozent. Ähnlich sieht es bei Kindern von sieben bis elf Jahren aus.

Stressfaktoren: 40 Prozent der Befragten gaben an, dass zeitlicher Stress der größte Belastungsfaktor in ihrem Leben sei. Gegenüber der letzten Erhebung der AOK vor vier Jahren ist dieser Stressfaktor leicht zurückgegangen. Zeitliche Belastung gaben 2014 noch 46 Prozent als Problem an, 2018 waren es nur 40 Prozent. Die finanzielle Belastung ist weiter gesunken: von noch 33 Prozent 2010 auf 27 Prozent 2018. Auch körperliche Anstrengungen empfinden weniger Befragte als belastend (2018 nur noch 17 Prozent). Was zunimmt, sind partnerschaftliche Probleme. Nach einem kurzen Rückgang 2014 auf 14 Prozent sind sie nun auf 20 Prozent gestiegen.

Gesundheit: Das positive Ergebnis der AOK-Familienstudie 2018: 76 Prozent der Eltern bewerten ihren Gesundheitszustand als sehr gut oder gut (2014: 69 Prozent). Befragte Paare fühlten sich zu 77 Prozent gut, Alleinerziehende zu 69 Prozent. Die eigene Einschätzung wird jedoch getrübt durch andere Zahlen. 36 Prozent der Eltern sind übergewichtig, 22 Prozent adipös. Bei den Vätern fallen 72 Prozent in eine der beiden Kategorien, bei den Müttern 50 Prozent.

Infrastruktur: Ein Schritt in Richtung mehr Bewegung wären gesicherte Fahrradwege, gut erreichbare Sportplätze, Schwimmbäder oder Spielplätze. "Kinder, die laut Eltern in einem attraktiven Wohnumfeld leben, bewegen sich im Schnitt an 3,8 Tagen pro Woche und damit 27 Prozent mehr als Kinder, die diese Bedingungen gar nicht vorfinden (3,0 Tage pro Woche). Ähnlich sieht es auch beim gemeinsamen Radfahren aus", sagen die Wissenschaftler. 80 Prozent der Eltern wünschen sich weitere Verbesserungen.