Auf der Suche nach Einnahmequellen in der vernetzten Zukunft ist die Autoindustrie in der Software- und Unterhaltungsbranche fündig geworden. Dort wird seit Jahren erfolgreich nach dem Prinzip Crippleware verkauft: Kunden erwerben ein Produkt mit theoretisch maximalem Leistungsumfang, der jedoch mittels einer Software künstlich beschnitten wird. Nur wer etwas dazu bezahlt, kann bestimmte Optionen anschließend nutzen.

Populär gemacht wurde die "Krüppelware" von Fotokameraherstellern. Um die Produktion zu vereinfachen, verwendeten sie in allen Modellen beispielsweise den gleichen Bildchip – in den Einstiegsgeräten wurde seine Leistungsfähigkeit jedoch per Software eingeschränkt. Anspruchsvolle Kunden sollten so dazu gebracht werden, das teurere Gerät zu kaufen, auch wenn die günstigere Variante die gleiche Leistung bieten könnte. Softwarehersteller haben das Prinzip verfeinert: Von vielen Apps und Programmen gibt es kostenlose oder günstige Basisversionen, die gegen Geld zu Vollversionen aufgerüstet werden.

Im Automobilsektor war Tesla der erste, der dieses Modell für sich genutzt hat. Aber auch Audi hat bereits angekündigt, künftig für das Freischalten spezieller Funktionen nachzukassieren.

Kann das Auto, was die Hardware hergibt?

Tesla hat den Ansatz schon früh und konsequent übernommen. So boten die Kalifornier ihre Elektrolimousine Model S zwischen 2016 und 2017 in der Basisversion S60 an, die sich vom teureren S75 lediglich durch eine geringere Reichweite unterschied. Die Batterie war in beiden Fällen die gleiche, nur wurde sie beim S60 gedrosselt. Wer einen größeren Energiespeicher wollte, konnte die Softwaresperre nachträglich lösen.

Dafür verlangte der Autobauer allerdings nicht nur den Differenzbetrag zum S75, sondern auch einen Aufpreis von 500 Dollar. Weithin bekannt wurde Crippleware bei Tesla während des Hurrikans Irma in Florida im September 2017: Damals verlängerte das Unternehmen seinen in Not befindlichen S60-Kunden durch eine Onlinefreischaltung kurzfristig den Fluchtweg.

Ähnlich sieht es mit der Autopilotfunktion des Model S aus. Die Hardware – also Sensoren und Kameras – ist in jedem Fahrzeug verbaut, doch die Software muss extra bezahlt werden, damit die Technik nutzbar ist. Auch hier gilt: Wer die Option direkt bei Bestellung ankreuzt, kommt billiger davon. Entschließt man sich später, zahlt man drauf. Wer ein Auto kauft, kann sich also schon heute nicht mehr darauf verlassen, dass das Fahrzeug auch alles tut, was die Hardware hergibt.