Große Unternehmen wie die Deutsche Bahn, SAP, Rewe, der amerikanische Pharmahersteller MSD oder die Rügenwalder Mühle bieten inzwischen Dienstradleasing an. Es ist Teil ihres Mobilitätskonzepts oder des Gesundheitsmanagements, inzwischen gilt es sogar als Wettbewerbsvorteil.

"Wir müssen interessante Anreize für unsere Mitarbeiter schaffen", sagt die Rechtsanwältin Agnes Fricke, bei den Stadtwerken Wedel unter anderem für Personal zuständig. Sie sagt: "Die Konkurrenz bei der Fachkräftesuche ist groß." Die Hamburger Innenstadt sei nur 18 Kilometer entfernt. Ein Arbeitsplatz in der City ist für potenzielle Bewerber häufig attraktiver als eine Stelle im beschaulichen Wedel mit seinen rund 33.000 Einwohnern.

Fricke würde gerne allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ein Dienstradleasing anbieten. "Aber ver.di bremst uns aus", sagt sie. Nur die Mitarbeiter, die übertariflich bezahlt werden – also eine freiwillige, frei vereinbarte Zulage von den Stadtwerken erhalten – können über die Zulage ein Dienstrad leasen. Allen anderen verweigert die Gewerkschaft die Lohnumwandlung. Der Grund: ver.di, und ebenso der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), lehnen für ihre Mitglieder im öffentlichen Dienst das Dienstradleasing als Lohnumwandlung ab. Sie fürchten, dass das Firmenrad das Einfallstor für weitere Umwandlungen von Lohn sei.

Außerdem führt diese Gehaltsumwandlung bei einem Dienstrad für rund 2.500 Euro dazu, dass später die monatliche Rente um etwa fünf Euro gemindert ist. "Bei vielen unserer Mitglieder kommt es bei der Rente auf jeden Euro an", sagt Hanna Binder von ver.di. Hinzu kommt: Neben dem Arbeitnehmerbeitrag entfalle auch der Arbeitgeberbeitrag für die Rentenkasse. "Solange das Modell allein auf der Weitergabe des Steuervorteils basiert, finden wir es nicht sinnvoll."

Der Tarifvertrag im öffentlichen Dienst schließt eine solche Entgeltumwandlung derzeit aus. Grundsätzlich wolle sie das Fahrradfahren aber ebenfalls fördern, sagt Binder. Deshalb diskutiert sie zurzeit mit dem DGB und dem Auto Club Europa (ACE) mögliche Alternativen. Denkbar sind für sie einmalige oder wiederkehrende Zuschüsse des Arbeitgebers beim Kauf oder Leasing von Fahrrädern sowie ein zinsloses Arbeitgeberdarlehen für den Fahrradkauf.

Bei den Stadtwerken Wedel haben inzwischen zehn der 100 Mitarbeiter ein Dienstrad. Weitere zehn sind interessiert, sie bekommen aber keine Zulage und somit auch kein Dienstrad. "Der Mehrwert ist viel größer als die prozentuale Ersparnis", stellt Babett Schumacher fest. Mit dem neuen Pedelec fällt ihr im Alltag die Entscheidung fürs Rad statt fürs Auto leicht. Das Angebot ihres Arbeitgebers, ein Dienstrad zu leasen, hat sie erst auf die Idee gebracht, ein neues Rad zu kaufen. Ohne diesen Anreiz wäre sie weiterhin Auto gefahren.