"So viel wie in den vergangenen Wochen bin ich in den letzten zehn Jahren nicht Fahrrad gefahren", sagt Babett Schumacher und streicht mit der Hand über den braunen Ledersattel ihres Retro-Bikes. Vor vier Wochen hat die Mitarbeiterin der Stadtwerke Wedel, in der Nähe von Hamburg, ihr Pedelec beim Fahrradhändler abgeholt. Seitdem radelt sie mit ihrem Fahrrad überall hin: morgens zur Arbeit, tagsüber zu Besprechungen ins sechs Kilometer entfernte Blankenese und abends fünf Kilometer in den Stall zu ihrem Pferd.

Babett Schumacher ist eine von vielen tausend Berufstätigen in Deutschland, die über ihren Arbeitgeber ein Dienstrad leasen. Seit 2012 gelten für Dienstfahrräder ähnliche steuerliche Regeln wie für Dienstwagen. Das ist attraktiv für die Arbeitgeber und ihre Beschäftigten. Das Unternehmen hat in der Regel keine zusätzlichen Kosten, aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können sich vergleichsweise günstig ein Fahrrad zulegen.

Das Modell funktioniert über die sogenannte Entgeltumwandlung: Die Leasingrate wird direkt vom Bruttogehalt abgezogen – Leasingnehmer ist der Arbeitgeber, der das Fahrrad dann der Mitarbeiterin zur Nutzung anbietet. Für ein E-Bike, das im Laden beispielsweise 2.500 Euro kostet, liegt die Rate bei einem Gehalt von 3.000 Euro brutto bei rund 69 Euro. Dieser Betrag wird vor dem Versteuern abgezogen. Der geldwerte Vorteil, der der Arbeitnehmerin durch die Bereitstellung des Fahrrads entsteht, muss nur mit einem Prozent des Bruttopreises versteuert werden. Der Arbeitnehmerin fehlen unter dem Strich lediglich rund 47 Euro beim Nettolohn. Nach Ende der Vertragslaufzeit kann sie das Rad zum Restwert kaufen oder einen neuen Vertrag abschließen. 

Ein Viertel des Radpreises sparen

Der Aufwand für den Arbeitgeber ist gering. Wie beim Dienstwagen beauftragen viele Unternehmen Leasingfirmen, um sich nicht selbst um die Abwicklung und den Umgang mit den Mitarbeiterfahrzeugen kümmern zu müssen. Dann muss der Mitarbeiter selbst aktiv werden und ein passendes Rad finden. "Ich wusste genau, was ich wollte", sagt Babett Schumacher. "Ich habe mir zu meinem Wunschrad einen Korb für den Lenker und eine geblümte Fahrradtasche ausgesucht." Das geht, das Zubehör kann ebenfalls geleast werden.

Voraussetzung für das Leasing war, dass ihr Händler in Wedel mit JobRad kooperiert, denn der Dienstradanbieter ist der Vertragspartner ihres Arbeitgebers. Anschließend hat der Fahrradhändler, Frank Robben, den sogenannten Überlassungsantrag ausgefüllt und den Stadtwerken geschickt. Dieser Vertrag wurde dann in der Personalabteilung geprüft und genehmigt.

Für den Wedeler Fahrradhändler ist JobRad mittlerweile ein wichtiger Teil seines Geschäfts. Er hat zwei Mitarbeiter eingestellt, um seine Firmenrad-Kunden zu beraten und neue zu gewinnen. Sie besuchen regelmäßig Messen und Gesundheitstage und stellen dort ihre Räder und das Dienstradleasing vor. Auf Wunsch organisieren sie in Unternehmen auch einen Demoday. Dann können die Beschäftigten im Betrieb während der Arbeitszeit Räder testen. "Zehn bis zwölf Prozent der Mitarbeiter entscheiden sich während eines Demodays für ein Leaserad", so Robben.

Interessant sei für viele Nutzer die Diebstahlversicherung, erklärt er weiter. Je nach Anbieter wird bei Diebstahl das Rad über den Leasingvertrag ersetzt. Außerdem, so rechnet JobRad vor, spart man gegenüber dem Direktkauf insgesamt mehr als 25 Prozent. Laut dem Anbieter aus Freiburg nutzen bundesweit rund 7.500 Arbeitgeber seine Dienstleistung.