Die Stuttgarter Staatsanwaltschaft ermittelt laut der Süddeutschen Zeitung in einem weiteren Fall gegen den Daimler-Konzern. Unter Berufung auf Ermittler berichtet die Zeitung, es würde nun auch untersucht, ob Fahrzeuge mit dem Motor OM 622 manipulierte Abgaswerte aufweisen. Dieser Motor ist beim Vito verbaut – jenem Transporter-Modell, bei dem nach Ansicht des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) eine illegale Abschalteinrichtung verwendet wurde. Wegen dieses Verdachts wurden vergangene Woche etwa 5.000 Fahrzeuge auf Anordnung des Verkehrsministeriums zurückgerufen.

Zunächst hatten sich die Ermittlungen nur auf die Motoren OM 642 und OM 651 konzentriert. In den vergangenen Tagen berichteten dann sowohl die Bild am Sonntag als auch der Spiegel, dass noch mehr Motoren und Fahrzeuge von dem Skandal betroffen sein könnten. Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) setzte Daimler-Chef Dieter Zetsche in der Folge eine Frist bis zum 15. Juni, um sich zu den Vorwürfen zu erklären. "Wir werden jetzt einen vertieften Austausch über die hochkomplexen technischen Fragen vornehmen mit dem Ziel, anhand unserer konkreten Prüfungen umgehend die genaue Zahl der betroffenen Modelle zu ermitteln", sagte Scheuer zu Beginn der Woche, nachdem er Zetsche in sein Ministerium geladen hatte.

Die Staatsanwaltschaft steht bei ihren Ermittlungen gegen Daimler nach eigenen Angaben auch in Kontakt mit Behörden aus dem Ausland. Zudem wird gegen mehrere Mitarbeiter des Autozulieferers Bosch wegen Beihilfe zum Betrug bei Daimler, Audi, Volkswagen und Fiat Chrysler ermittelt. Auch die VW-Tochter Porsche, in deren Fahrzeugen Audi-Motoren mit vermutlich illegaler Drosselung der Abgasreinigung zum Einsatz kamen, steht im Fokus der Stuttgarter Ermittler.   

Daimler will notfalls vor Gericht gehen

Illegale Abschalteinrichtungen hatten den Dieselskandal bei Volkswagen im September 2015 ausgelöst. Daimler-Chef Zetsche hatte stets versucht, sich von den Manipulationen von VW zu distanzieren. Der Konzern wies zuletzt auch die Vorwürfe des KBA zum Vito zurück: "Die Funktionen sind Teil eines komplexen Abgasreinigungssystems, das eine robuste Abgasreinigung bei unterschiedlichen Fahrbedingungen und über die Nutzungsdauer eines Fahrzeugs sicherstellen soll", hieß es nach Bekanntwerden des Bescheids. Den Vorwurf, dass die Programmierung zweier Funktionen der Motorsteuerung nicht den geltenden Vorschriften entsprechen soll, werde man zur Not auch vor Gericht klären lassen.

Zu Beginn der Woche hatte Daimler-Gesamtbetriebsratschef Michael Brecht eine lückenlose Aufklärung des Falls gefordert. "Es gilt, Transparenz zu schaffen", sagte er. In den Daimler-Werken gehe die Angst um, "dass an den Vorwürfen zum Vito etwas dran ist". Er habe Zetsche die Sorge der Belegschaft um den Ruf des Unternehmens geschildert.