Die Betrugsvorwürfe gegen den Daimler-Konzern im Dieselskandal erhärten sich einem Bericht der Wochenzeitung ZEIT zufolge. Sowohl beim Transporter Vito als auch bei der C-Klasse werde im Straßenverkehr in die Abgasreinigung nur ungenügend Harnstofflösung, sogenanntes AdBlue, eingespritzt, berichtete eine mit den Vorgängen vertraute Person aus Behördenkreisen der Wochenzeitung. Das Mittel filtert im Katalysator gesundheitsgefährdende Stickoxide aus den Abgasen.

Zudem soll Daimler ZEIT-Informationen zufolge mit dem Software-Update seiner Flotte im Verzug sein, das die Schadstoffbelastung der Luft reduzieren soll. Demnach wird der Konzern bis 2020 brauchen, um die Software flottenweit zu aktualisieren. Ursprünglich sollte das Update schon Ende 2018 abgeschlossen sein. Daimler teilte der ZEIT mit: "Wir arbeiten intensiv an den beim Dieselgipfel angekündigten Software-Upates."

Das Kraftfahrt-Bundesamt hatte am 23. Mai den Rückruf von weltweit rund 5.000 Fahrzeugen des Mercedes-Vans Vito mit 1,6-Liter-Motor der Schadstoffklasse Euro 6 wegen unzulässiger Abschalteinrichtungen angeordnet. Daimler kündigte Widerspruch an. Untersucht wird derzeit, in wie vielen Daimler-Fahrzeugen die Technik noch verbaut sein könnte.

Insgesamt könnten bis zu 900.000 Fahrzeuge betroffen sein, berichtete die ZEIT. Daimler wollte sich dazu nicht äußern und verwies auf laufende Gespräche mit den zuständigen Behörden.

Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) hatte sich Ende Mai mit Daimler-Chef Dieter Zetsche getroffen und eine 14-tägige Frist zur Klärung der Vorwürfe eingeräumt. "Ich erwarte von der Konzernleitung klare Botschaften und reinen Tisch", sagte der Minister der Passauer Neuen Presse. Daimler arbeite mit Hochdruck an einer Lösung der technischen Probleme. Zetsche werde Scheuer am kommenden Montag erneut treffen, teilte ein Sprecher des Verkehrsministeriums in Berlin mit.