Ich möchte mir gerade ein gebrauchtes Auto kaufen und stolpere in Anzeigen häufig über den Begriff "scheckheftgepflegt". Was heißt das? Und ist es rechtlich bindend für Käufer und Verkäufer? Das will ZEIT ONLINE-Leserin Hanna Booz wissen.

Oft preisen Autohändler ihre Gebrauchtwagen mit dem Zusatz "scheckheftgepflegt" an. Auch in Anzeigen findet sich dieser Begriff, mit dem ein in die Jahre gekommenes Auto beworben wird. Ein scheckheftgepflegtes Auto verspricht der Käuferin einen Mehrwert: Der potenzielle Kunde glaubt, einen technisch besseren Wagen vor sich zu haben. Aber ist das so?

"Grundsätzlich ist die Angabe 'scheckheftgepflegt' rechtlich von Bedeutung und nicht nur eine Werbeaussage wie etwa 'topgepflegt' oder 'super Zustand'", sagt Andreas Krämer, Rechtsanwalt in Frankfurt am Main. "Daher kann diese Angabe sogar eine Beschaffenheitszusage darstellen. Dies gilt auch, wenn sie etwa in einem Autohaus nur auf dem Werbeschild vor dem Auto steht, aber nicht in den schriftlichen Kaufvertrag aufgenommen wurde."

Krämer rät in diesem Fall den Käufern, dass die angepriesene Scheckheftpflege wirklich auch im Kaufvertrag niedergeschrieben wird. Allerdings schränkt der Jurist ein, dass "scheckheftgepflegt" kein eindeutiger Rechtsbegriff sei, sondern ausgelegt werden müsse. Hier hilft also nur nachfragen – zumal ein durchschnittlicher Verbraucher meistens technischer Laie ist. Wenn ihm ein versierter Verkäufer gegenübersteht, sollte er sich die Angabe genau erklären lassen.

"Es könnte beispielsweise sein, dass der Verkäufer nur ausdrücken wollte, dass die im Scheckheft dokumentierten Wartungsarbeiten vorgenommen wurden und mehr nicht", erläutert Krämer. Man könne aber auch argumentieren, dass die Käuferin mit diesem Begriff die lückenlose Dokumentation aller notwendigen Inspektions- und Wartungsarbeiten in einer Fachwerkstatt verbinde, die insbesondere den letzten Zeitraum des Vorbesitzes umfasse. "Nur so können etwa eventuelle Garantieleistungen des Herstellers erhalten bleiben", sagt der Jurist.

Kurzum: "Von Scheckheftpflege kann man eigentlich nur dann sprechen, wenn alle vom Hersteller am Fahrzeug empfohlenen Inspektionen und Wartungsarbeiten von einer Vertragswerkstatt durchgeführt worden sind und sämtliche Inspektionen und Wartungsarbeiten lückenlos im Scheckheft protokolliert wurden", fasst Krämer zusammen. "Allerdings halte ich es dabei nicht unbedingt für erforderlich, dass die Arbeiten auch immer von einer markengebundenen Fachwerkstatt erfolgt sein müssen."