Ein paar Wochen ist es erst her, da präsentierte Audi im portugiesischen Porto internationalen Journalisten seine neue Limousine A6. Das Fahrzeug glänzte in der Sonne, auf der Pressekonferenz schwärmten die Audi-Vertreter von vielfältigen Assistenzsystemen, von hohem Fahrkomfort und sportlichem Design.

Vorstandschef Rupert Stadler war da zwar noch auf freiem Fuß, aber ein VW-Manager in den USA in Haft, ein früherer Audi-Manager in München in Untersuchungshaft und der ehemalige Volkswagen-Konzernchef Martin Winterkorn auf der Fahndungsliste des FBI. Und kurz zuvor hatte Audi beim bisherigen A6 eine weitere Betrugssoftware in den Dieselmodellen einräumen müssen.

Es war also Feuer unterm Konzerndach – und darum Zeit für ein paar kritische Fragen an einen zuständigen Vertriebsmanager: Fühlen die Käuferinnen und Käufer sich nicht veräppelt, wenn Audi immer neue Manipulationen einräumen muss? Trauen sie überhaupt noch dem Diesel? Und Audi? Wer garantiert, dass so etwas nicht wieder vorkommt? Der Mann gab sich wortkarg: Zur "Dieselthematik" möge man sich an den Pressesprecher wenden.

Alles eine Frage der TCO

Dieser wiederum antwortet ebenso knapp: Für derlei Fragen sei ein anderer Kollege zuständig, der gerade in Ingolstadt weile. Transparenz sieht anders aus. Aber nun ja, eine interessante Zahl ließ sich dann doch entlocken: 80. Etwa 80 Prozent aller A6-Neufahrzeuge werden als Dienstwagen zugelassen. Etwa 80 Prozent tragen in Deutschland einen Dieselmotor. Und nein, heißt es, man rechne nicht damit, dass sich bei der Neuauflage des Audi A6 da etwas ändern werde.

Mit dieser Zahl 80 hat es vor allem zu tun, dass Audi sich um den Dieselabsatz wenig Sorgen machen muss. Dass die deutschen Auto-, und vor allem Audi-Fahrer dem Diesel treu bleiben, allem Ärger zum Trotz. Denn der Käufer, also das Unternehmen, achtet bei den Firmenwagen auf die Gesamtkosten – Experten sprechen von den total costs of ownership oder kurz TCO. Die sind beim Diesel wegen der geringeren Kraftstoffkosten noch immer deutlich niedriger als beim Benziner.

Daran ändert auch die Ausstattung der Audi-Motoren mit Hybridmodulen nichts. Der höhere Listenpreis eines Diesels interessiert den Fuhrpark-Manager nicht, er kalkuliert mit der Leasingrate. Man kann darauf wetten, dass Audi seinen treuen Großkunden da interessante Angebote schneidert – zumal der Wiederverkauf in den freien Markt in ein, zwei Jahren problemlos verlaufen dürfte, trotz des Abgasskandals.