Leihräder in Innenstädten sind zwar praktisch, stehen aber oft im Weg. Diese Erfahrung haben Bewohner in einigen deutschen Großstädten bereits gemacht: in Berlin, München oder Hannover. Mittlerweile wachsen die Probleme vor allem mit den silber-gelben Leihrädern von Obike: Sie sind oft Ziel von Vandalismus und liegen kaputt herum – und die Stadtverwaltungen können den Anbieter nicht mehr erreichen.

Hintergrund ist offenbar, dass nach der kürzlichen Insolvenz des erst 2017 in Singapur gegründeten Unternehmens das Geschäft auch in zahlreichen europäischen Städten aufgegeben oder zumindest reduziert werden soll. Nun wächst in Stadtverwaltungen die Sorge, dass sie den Radschrott nicht mehr loswerden. Wie Obike im Zuge der Insolvenz mitteilte, habe diese auf die Geschäfte an anderen Standorten außerhalb Singapurs keine Auswirkungen. Diese Aussage ist angesichts der Schwierigkeiten, mit Obike in Kontakt zu treten, aber zumindest zweifelhaft.  

Obike habe versprochen, Räder wegzuräumen, sagt Florian Paul, der Fahrradbeauftragte der Stadt München. Auf 1.000 Räder sollte Obike seinen Fuhrpark in München reduzieren, aber noch immer seien 3.000 in der Stadt. "Das ist ein großes Ärgernis. Wir versuchen seit Wochen und Monaten bei Obike jemanden zu erreichen, der sich um die Entfernung der Räder kümmert", sagt Paul.

Ähnliche Probleme sind auch aus anderen Städten zu hören. In Hannover erreicht man laut einer Sprecherin der Stadt seit vergangenem Donnerstag niemandem mehr bei Obike. In Frankfurt am Main habe die Firma immer seltener falsch abgestellte Räder rechtzeitig entfernt und sei dann teils nicht mehr erreichbar gewesen, sagt der Sprecher des Verkehrsdezernats. Im Juni hatte Obike angekündigt, sich aus Frankfurt zurückzuziehen, vergangenen Mittwoch habe die Stadt das letzte Mal etwas von dem Anbieter gehört. "Da hieß es, sie würden noch nach einer Firma suchen, die die Fahrräder wegräumt." Der Verleiher habe 1.200 Räder in Frankfurt.

Städte dürfen die Räder nicht einfach wegräumen

Seit im vergangenen Jahr mehrere asiatische Anbieter den deutschen Markt entdeckt haben, ist das Angebot mit den bunten Bikes gewachsen – auch, weil sie keine festen Stationen haben und die Anbieter sie ohne besondere Genehmigung der Stadt einfach im öffentlichen Raum verteilen dürfen. In München will die Stadtverwaltung laut Florian Paul nun allerdings rechtlich prüfen, welche Möglichkeiten sie gegen Obike hat. Weil die Räder weder herrenlos noch städtisches Eigentum sind, darf die Stadt sie nicht einfach selbst wegräumen. "Sie gehören dem Unternehmen, und das ist verpflichtet, sich darum zu kümmern."

Für das Einsammeln der Räder ist nach eigenen Angaben das Schweizer Unternehmen Umzug-24 zuständig. Ein Mitarbeiter von Umzug-24 sagte allerdings der Nachrichtenagentur dpa, die Ortung der Räder sei problematisch, weil die App für die Nutzer nicht mehr richtig funktioniere. Bislang hat Umzug-24 zudem nur in Rotterdam, Zürich und Wien Räder eingesammelt, wie Firmenchef Firat Kutal sagt. Mit deutschen Städte habe man sich noch nicht in Verbindung gesetzt, habe das aber bald vor.

Darum weiß Münchens Fahrradbeauftragter Florian Paul von Umzug-24 auch nichts. Dass nun diese Firma zuständig sein soll, habe der Stadt bisher noch niemand mitgeteilt, sagt er. Warum ruft er dort nicht an? "Erster Ansprechpartner bleibt für uns erst mal Obike", sagt Paul. "Es geht auch darum, dass Obike klar macht, ob mit den Rädern noch etwas passieren soll."

Doch nicht in allen Städten scheint es mit Obike Probleme zu geben. Einem Sprecher der Berliner Senatsverwaltung für Verkehr sind jedenfalls keine bekannt. Wie viele der Obike-Räder in Berlin funktionieren, weiß die Verwaltung nicht. "Der letzte Kontakt war im April, aber wir haben es seitdem auch nicht mehr versucht", sagt der Sprecher. Es sei bisher auch nichts darüber mitgeteilt worden, ob sich das Unternehmen aus Berlin zurückziehe.

In Rotterdam hat Obike die ursprünglich 2.500 Räder laut Stadtverwaltung bereits auf 700 reduziert. Kaputte oder deutlich herrenlose Räder sammelt die Stadt selbst ein. In Wien hat Obike nach Angaben der Stadt seinen Standort aufgelöst, die Räder aber noch nicht entfernt. In Zürich, wo Umzug-24 seinen Sitz hat, klappt es besser als in den anderen Städten: Nach Angaben des Tiefbau- und Entsorgungsdepartements der Stadt läuft die Räumungsaktion dort bislang reibungslos. In Zürich sei Obike seit Ende Juni aus dem Geschäft.