Cäsar 2.0 – bereits der Modellname verspricht eine ungewöhnliche Mischung aus pompöser Aura und neuer Technik. Tatsächlich wird das neue E-Bike-Modell mit seinem neobarocken Styling seinem Namen äußerlich gerecht. Das Innovationsversprechen 2.0 hält das Pedelec des Herstellers Ego Movement technisch allerdings nicht in allen Aspekten.

Die etwas spezielle Retrooptik des Cäsar dürfte jedenfalls polarisieren: cremefarbene Reifen, der in Kupfer lackierte Rahmen sowie Sattel und Handgriffe in Lederoptik versprühen einen Charme, dem auch ein gewisser Kitsch anhaftet. Eher kurios mutet die – aufgrund des vergleichsweise langen Hecks – gestreckte Silhouette an. Ob das nun schön ist, liegt wohl im Auge des Betrachters. Unbestreitbar: Mit diesem Zweirad fällt man auf.

Das Gegenteil trifft auf die Antriebstechnik zu. Im Tretlager steckt ein kompakter Mittelmotor von Bafang, und die herausnehmbare Batterie schließt bündig mit dem wuchtigen Unterrohr des Diamantrahmens ab. Diese sogenannte Intubelösung ist im Pedelecbau derzeit schwer angesagt – sie verhindert, dass das Cäsar 2.0 mit dicken Akkuklötzen über die Straßen rollt.

Praktisch: Per Schlüsseldreh lässt sich die 418-Wh-Batterie kurzerhand aus dem Rahmen lösen und zum Laden mit in die Wohnung nehmen. Angesichts des knapp 25 Kilogramm schweren Bikes dürften viele Nutzer diese Möglichkeit begrüßen. Nicht ganz so smart ist die Ladezeit, die sich mit dem mitgelieferten Strominjektor sechs Stunden hinziehen kann. Bei vielen anderen E-Bikes dauert das nur halb so lang.

Der im Unterrohr integrierte Akku ist herausnehmbar. © SP-X/Max Friedhoff

Zum Antriebssystem gehören auch ein etwas klobig eingekleidetes LCD-Display und eine kleine Schaltereinheit am Lenkrad. Drückt man dort wenige Sekunden den Ein-Aus-Knopf, erwacht der Antrieb zum Leben. Vor allem in der höchsten von insgesamt fünf Unterstützungsstufen schiebt der Motor angenehm druckvoll voran. Eigentlich sollte bei 25 km/h Schluss sein, doch in diesem Fall erlaubt der Motor auch mal zwei oder drei km/h mehr.

Dank der Zehn-Gang-Kettenschaltung von Shimano dürfte jeder die für sich optimale Trittfrequenz finden. Wechselt man in die kurzen Übersetzungen, kommt das Cäsar im Zusammenspiel mit verstärkter Beinarbeit ebenfalls erfreulich flott Steigungen hinauf. Auf ebenem Terrain in der schwächsten Unterstützungsstufe erreicht man bei minimalem Einsatz von Muskelkraft knapp über 20 km/h. Selbst ohne Motorunterstützung ist das Cäsar gut fahrbar.

Eher Hollandrad als Kurvenräuber

Wer mit geringer Motorunterstützung fährt, kann laut Hersteller mehr als 100 Kilometer lang vom eingebauten Rückenwind profitieren. Praktisch reichte bei unseren Testfahrten die Akkuladung in vorwiegend höchster Powerstufe für etwa 50 Kilometer. Nach Meinung des Herstellers sollten im Regelfall aber ein paar mehr Kilometer drin sein.

Als lautloser und flotter Gleiter, der seinen Fahrer schweißfrei ans Ziel bringt, ist das tourentaugliche Stadtrad eine Wucht. Auch Schussfahrten bergab mit über 40 km/h meistert das Bike mit stabilem Lauf in vertrauenerweckender Manier. Der breite Lenker erlaubt zudem eine entspannte Tourenhaltung. Auf Geradeausfahrten gibt sich das Cäsar keine Blöße, flottes Um-die-Kurven-Fahren ist hingegen weniger seine Paradedisziplin. Da zeigt sich das E-Bike recht ungelenk. Das muss es aber auch nicht können, denn vom Gesamtkonzept ähnelt es eher dem gemütlichen Hollandrad.

Das serienmäßige RST-Federelement zwischen Steuerrohr und Gabel schluckt zusammen mit den Reifen zumindest einige Unebenheiten. Die hydraulischen Scheibenbremsen von Tektro lassen sich gut dosieren, auf Wunsch packen sie auch kräftig zu. Grundsätzlich verbaut sind zudem Klingel, massive Schutzbleche, Seitenständer und eine LED-Lichtanlage (die ihren Strom aus der Traktionsbatterie bezieht). Optional ist ein klassischer und stabil anmutender Gepäckträger. Sattel und Handgriffe sehen nach schickem Leder aus, sind allerdings aus Kunststoff – was bei den Lenkerenden mit ihrer echten Tierhauthaptik verblüfft.

Komplett mit Gepäckträger kostet das Cäsar 2.0 rund 2.800 Euro. Für ein Mittelmotorpedelec mit Intubeakku ist das ein erfreulich niedriger Preis. Zum Schnäppchen reicht es aber nicht ganz – dagegen sprechen die teilweise nicht ganz hochwertige Komponentenausstattung und eine in Details nicht immer vorbildliche Verarbeitung.