Ob für den Einkauf oder den Transport der Kinder zur Kita: In Großstädten sind zunehmend mehr Lastenfahrräder auf den Straßen zu sehen. Auch Handwerker entdecken die Möglichkeit, so vor allem innerstädtisch kürzere Wege zurückzulegen und dennoch das gesamte Werkzeug dabeizuhaben. Attraktiv sind vor allem Varianten mit Elektromotor: Er unterstützt die Tretbewegung, sodass es auch mit schwerer Beladung nicht allzu mühsam vorwärts geht. Der Zweirad-Industrie-Verband hat zwar keine Zahlen über die verkauften Lastenräder ohne Motor, schätzt aber den Absatz der Lastenrad-Pedelecs für 2017 in Deutschland auf rund 21.500 Stück. Auch Händler spüren die wachsende Nachfrage, wobei sich nach ihrer Einschätzung 70 Prozent der Käufer für die Elektrovariante entscheiden.

Allerdings sind die Räder nicht günstig. Vor allem für die E-Cargobikes verlangen die Hersteller mindestens 4.000 Euro. Was viele aber nicht wissen: Einige Kommunen fördern inzwischen den Kauf eines Lastenrades – in der Hoffnung, dass mehr Bürgerinnen und Bürger den Transport per Fahrrad für sich entdecken und feststellen, dass man für den Großeinkauf im Super- oder Baumarkt nicht unbedingt ein Auto braucht. Das jüngste Förderprogramm startet jetzt in Berlin.

Von diesem Mittwoch an können sich Privatleute und Firmen, die ein fabrikneues Lastenfahrrad anschaffen, einen Teil der Kosten von der öffentlichen Hand zurückholen. Der rot-rot-grüne Senat in der Hauptstadt übernimmt auf Antrag per Post oder E-Mail ein Drittel des Kaufpreises – höchstens aber 500 Euro für ein Lastenrad ohne Motor und 1.000 Euro für ein Modell mit elektrischer Antrittshilfe.

Berlinerinnen und Berliner, die sich ein neues Lastenrad vom Staat teilfinanzieren lassen wollen, müssen sich allerdings beeilen. Für diese Förderung hat der Senat in diesem Jahr insgesamt 200.000 Euro beiseite gelegt: 70.000 Euro für Gewerbetreibende und Freiberufler, 130.000 Euro für private Antragsteller. Die Gesamtsumme reicht im besten Fall für 200 bis 400 Cargobikes – danach ist in diesem Jahr Schluss, bearbeitet werden die Anträge nach Eingangsdatum. Bei einem Erfolg des Programms will der Senat für 2019 aber weitere 500.000 Euro bereitstellen.

Die Idee hinter der öffentlichen Anschubfinanzierung, dem zweiten größeren Fahrradprojekt des Senats nach dem Radgesetz: Berlin solle leiser und sauberer werden, erklärt die Senatsverwaltung. Zudem brauche die wachsende Stadt den Platz, den jetzt noch parkende Autos oder Lieferwagen beanspruchten. Der Haken dabei ist nur: Auch die Lastenräder werden viel herumstehen, womöglich noch mehr als herkömmliche Räder – wer radelt schon mit einem leeren Cargobike durch die Stadt, um etwa Freunde zu treffen?

Mehr Sinn ergibt darum vermutlich, sich das neue Lastenrad mit anderen zu teilen. Das hat auch der Berliner Senat erkannt: 40.000 der 130.000 Euro, die für Privatleute im Fördertopf stecken, sind speziell für Nutzergemeinschaften vorgesehen, also etwa Hausgemeinschaften, die sich zusammen ein Lastenrad anschaffen und es dann teilen wollen.

Auch andere Städte fördern den Lastenradkauf

Beliebt sind neben zweirädrigen Lastenrädern vor allem Christiania-Bikes mit einer Ladefläche zwischen den beiden Vorderrädern. © Wolfram Kastl/dpa

Berlin ist nicht die einzige Kommune, die Privatleute beim Kauf eines Cargobikes oder Elektro-Lastenrads finanziell unterstützt. Lange vorher hat schon München mit einer solchen Förderung begonnen. Wer in der bayerischen Landeshauptstadt wohnt, kann 25 Prozent der Nettokosten, maximal 1.000 Euro, für ein privat oder gewerblich genutztes E-Lastenrad erstattet bekommen. Das Programm läuft bis Ende 2020. Wer zudem sein Auto verschrotten lässt, bekommt eine Extraprämie von 1.000 Euro.

Auch weitere Städte stellen Geld bereit, um den Kauf von Cargobikes – ob mit oder ohne Motor – zu fördern: Dachau, Heidelberg, Limburg an der Lahn, Regensburg, Sonthofen sowie der Landkreis Bamberg (siehe Kasten). Wichtig: Bei vielen Programmen darf das Rad erst nach der Genehmigung des Förderantrags gekauft werden, sonst gibt es kein Geld. Was auffällt: Die meisten dieser Kommunen liegen in Süddeutschland.

Daneben gibt es auch Förderprogramme, die nur den gewerblichen Einsatz von Lastenrädern oder Elektro-Cargobikes unterstützen. Vorreiter war im März 2017 das Saarland, das allerdings nur den Kauf von Elektrorädern durch Kommunen, Landkreise und kommunale Betriebe förderte. Baden-Württemberg zog im Sommer 2017 nach. Das Förderprogramm für gewerblich genutzte E-Lastenräder war so erfolgreich, dass seit Kurzem "die vorhandenen Haushaltsmittel erschöpft sind", wie es beim Stuttgarter Verkehrsministerium heißt. Möglicherweise steckt das Land aber dieses Jahr nochmal Geld in das Programm. Das Land gibt je Elektro-Lastenrad bis zu 3.000 Euro dazu. Ähnliche Programme für ausschließlich gewerblich genutzte Lastenräder gibt es in der Region Hannover (aktuell ist dort ebenfalls die Summe verbraucht) und im Landkreis Grafschaft Bentheim.

Auch der Bund fördert den Kauf von E-Lastenrädern derzeit nur für den gewerblichen Lastenverkehr. Das heißt, Förderanträge können nur Unternehmen oder Freiberufler stellen, außerdem Hochschulen, Forschungseinrichtungen oder Krankenhäusern, die ein fabrikneues Elektro-Lastenrad oder einen neuen Lastenanhänger mit Elektroantrieb anschaffen wollen. Dabei muss das Cargobike ein Transportvolumen von mindestens einem Kubikmeter haben – viele Lastenradmodelle erfüllen diese Bedingung nicht. Der Bund übernimmt 30 Prozent der Anschaffungskosten, maximal aber 2.500 Euro pro Lastenfahrrad oder -anhänger.

Allerdings: Mit der Förderung wird die Zahl der Lastenräder in den Städten wachsen – und das erzeugt neue Herausforderungen, für die die Kommunen wieder Geld investieren müssen: Für die längeren oder breiteren Räder muss es ausreichend Abstellmöglichkeiten geben, etwa vor Kitas. Und auch die Radwege müssen womöglich angepasst werden, damit ausreichend Platz für die Lastenräder ist.