Wem Taxis zu teuer und die öffentlichen Verkehrsmittel zu umständlich sind, dem bietet Moia eine interessante Alternative: die Fahrt in einem Shuttlebus, den man sich per App ruft und dann mit anderen teilt, die eine ähnliche Strecke fahren wollen wie man selbst. So werden auch die Kosten gesplittet.

In Hannover hatte die 2016 gegründete Volkswagen-Tochter das Beförderungskonzept seit Oktober 2017 ausprobiert – am Montag soll der Test- nun in den Regelbetrieb übergehen. Dazu hat Moia von der Stadt Hannover eine entsprechende Erlaubnis erhalten, die zunächst bis Mitte 2020 gilt und den Service mit 150 Fahrzeugen zulässt.

Das ist deutlich mehr als die Zahl der Multivans, die Moia bislang testet: Derzeit fahren 35 der berühmten VW-Busse T6 mit Benzinmotor durch die niedersächsische Hauptstadt. 3.500 Menschen nehmen am Testbetrieb teil und haben den Service laut Moia mehr als 200.000-mal genutzt. "Unser Ridesharing-Angebot funktioniert stabil und wird sehr gut angenommen", sagt Moia-Chef Ole Harms.

Pooling per Algorithmus

Nun sollen in einem ersten Schritt rund 15.000 weitere Nutzer zugelassen werden: zunächst solche, die sich für den Test beworben hatten, aber nicht zum Zuge kamen. Zum Start will Moia rund 90 Quadratkilometer des Stadtgebiets (insgesamt 204 Quadratkilometer) abdecken, wodurch der Dienst laut Unternehmen drei Vierteln der Bevölkerung zur Verfügung steht.

Was die Fahrt mit Moia von herkömmlichen Taxis unterscheidet, ist das sogenannte Pooling-Prinzip, auch Ridesharing genannt. Zwar kann man sich wie beim Taxi innerhalb des Moia-Geschäftsgebiets an jedem Punkt abholen und absetzen lassen. Zur besseren Auslastung können während einer Fahrt aber weitere Kunden zu- oder aussteigen. Ein Algorithmus bringt die verschiedenen per App übermittelten Beförderungswünsche bestmöglich zusammen und gibt dem Fahrer in Echtzeit dann die zu fahrende Route vor. Bis zu fünf Fahrgäste haben so Platz.

Dadurch stehen die Moia-Busse zwischen Taxi und öffentlichem Personennahverkehr (ÖPNV) – und sind so natürlich auch eine Konkurrenz für beide. Doch wie gefährlich wird Moia? Für die Taxibetreiber zumindest ist das Unternehmen ein rotes Tuch. Sie sehen sich durch den Service in ihrer Existenz bedroht und kritisieren, dass der neue Dienst einen "unlauteren Wettbewerb" betreibe.

Taxiunternehmer geht gegen Genehmigung vor

Anders als Taxibetreiber unterliegt Moia nicht der Tarifpflicht – das heißt, die VW-Tochter kann die Fahrpreise selbst bestimmen. Außerdem legt Moia seine Servicezeiten selbst fest. Nach Mitternacht fährt der Dienst in Hannover nur von Donnerstag auf Freitag (0–2 Uhr) und in den Nächten von Freitag auf Samstag sowie Samstag auf Sonntag (jeweils 0–4 Uhr). Sonntags fährt Moia erst ab 9 Uhr. Die Taxifahrer kritisieren das als "Rosinenpickerei", während Taxis die Grundversorgung erbringen müssten. Zumal Moia, anders als Taxler, Kunden ablehnen kann, während für Taxis eine Beförderungspflicht gilt.

Die hannoversche Taxivermittlungszentrale Hallo Taxi 3811 GmbH prüft deshalb eine Klage. Das Unternehmen betreut in der Stadt nach eigenen Angaben fast 600 Taxis von 220 selbstständigen Unternehmerinnen und Unternehmern mit insgesamt rund 2.800 Fahrerinnen und Fahrern. Zwei der Taxibetreiber waren schon gegen das Genehmigungsverfahren rechtlich vorgegangen – doch die Klage war vom Oberlandesgericht Celle in letzter Instanz abgewiesen worden, wie Hallo-Taxi-Sprecher Axel Emmert sagt. "Aber wir haben noch nicht aufgegeben." Man lasse gerade Anwälte prüfen, ob man nun eine neue Klage einreiche. Die Taxibetreiber fürchten, dass Moia in den nächsten Jahren bis zu einem Drittel der Taxis in Hannover vom Markt vertreiben könnte. Bis zu 1.000 Fahrer wären dann arbeitslos, so Emmert.

Ähnlich sauer sind die Taxler in Hamburg: Dort hat die Stadt Ende April Moia den Betrieb ab Januar 2019 erlaubt, mit zunächst 500 Fahrzeugen. Rund 300 Taxifahrer in der Hansestadt haben schon im April mit einem Autokorso die Innenstadt kurzzeitig lahmgelegt. Ein Taxiunternehmer geht rechtlich gegen die Genehmigung durch die Hamburger Verkehrsgewerbeaufsicht vor.