Die größte Gefahr, die von Stickoxid aus Dieselmotoren ausgeht, sind Fahrverbote und Wertverlust. Diesen Eindruck jedenfalls erweckt die öffentliche Diskussion. Statt ums liebe Geld könnten sich die Autofahrerinnen und -fahrer aber auch um die gesundheitsschädlichen Abgase kümmern, die sie einatmen: Die Universität Heidelberg hat jetzt gemessen, wie hoch die Belastung für die Insassen im Fahrzeug ist. Also für diejenigen, die gewollt oder nicht die Verursacher der Emissionen sind. Das Ergebnis: Im Innenraum unserer Autos ist die Luft schlecht. Die Stickoxidwerte sind durchweg deutlich höher als an den Messstationen. Wir vergiften uns selbst.

Das erscheint logisch. Schließlich fällt der Blick durch die Windschutzscheibe oft auf das Auspuffrohr des Vorausfahrenden. Was aber ist plausible Vermutung, und was ist Nachweis? Um das zu ermitteln, haben die Heidelberger Wissenschaftler im Juni einen Volkswagen Golf mit exakten Messinstrumenten ausgestattet. Es wurden zwei Teststrecken im Großraum Düsseldorf definiert: eine 51 Kilometer lange Tour (A) mit städtischen Neben- und Hauptstraßen, mit Land- und Bundesstraßen sowie einem Autobahnabschnitt. Und eine zweite (B) mit 96 Kilometern Länge, die ausschließlich über Autobahnen und dort befindliche Tunnel führte.

Darüber hinaus – und das war neben der Erhebung der Stickoxidwerte der nächste wesentliche Untersuchungsgegenstand – fuhr der Test-Golf zuerst mit dem serienmäßig verbauten Pollenfilter und wurde danach mit einem Aktivkohlefilter für den Innenraum präpariert. Dieser Aufbau sollte klären, ob ein aufwändigerer Filter die Insassen schützen kann.

Höchste Belastung bei der Autobahnfahrt

Bei allen Fahrten mit dem üblichen Pollenfilter lagen die Stickoxidwerte im Innenraum des Golfs deutlich über dem der Messstation an der Düsseldorfer Dorotheenstraße. Der Mittelwert beim Messpunkt am Straßenrand betrug 50 Mikrogramm pro Kubikmeter; erlaubt sind 40. Im Pkw waren es zeitgleich durchschnittlich 85. Die Spitzenwerte wurden allerdings bei der Autobahnfahrt festgestellt: Hier wurden im Mittel 103 Mikrogramm gemessen, bei einer der Touren sogar 133. Die schöne Idee, Abgase würden sich wegen der Geschwindigkeit auf der Autobahn bis zur Unschädlichkeit verwirbeln, erweist sich als Unsinn und Selbsttäuschung. Das Gegenteil ist der Fall.

Belastungsspitzen entstanden auch durch bestimmte Fahrzeuge, die vor dem Testauto fuhren. Ein Volkswagen Passat aus der Ära der Abgasmanipulation, ein Range Rover Evoque, ein gealterter Reisebus und ein Fiat Ducato Lieferwagen hinterließen Peaks von bis zu 361 Mikrogramm in der Messkurve.