Kein Mensch braucht einen Porsche. Aber ganz viele wollen einen. Im Mai 2017 rollte der millionste 911er vom Band. 1964 wurde der Mythos 911 geboren, und bis heute ziehen sich die typischen Designmerkmale des Sportwagens durch alle Generationen. Stets sind die Kotflügel höher als die Motorhaube, das Dach fällt nach hinten ab und die Kabine verjüngt sich von der Front hin zum Heck. Zwar sind die Fahrzeuge mit jedem Modellwechsel größer geworden, die Proportionen aber sind geblieben. "Egal aus welchem Jahr: Jeden 911er erkennt man eindeutig aus der Ferne und der Nähe", sagt der Designer und Fotograf Stefan Bogner.

Ein gutes Design sei stimmig – darin liege der optische Erfolg des Porsche-Klassikers, erklärt Bogner. Es gibt weltweit kein anderes Automodell, das über 50 Jahre so konsequent unverwechselbar weiterentwickelt wurde. Längst ist der 911er das Synonym für Sportwagen. Sein Aussehen allein hat ihn aber nicht dazu gemacht. Die zweite Quelle des Erfolgs ist die Technik. Autos von Porsche haben sich den Ruf erfahren, sportlich schnell und dabei sehr zuverlässig zu sein. Davon zeugen 19 Siege beim 24-Stunden-Rennen in Le Mans. Von allen Herstellern hat Porsche die meisten Rennen gewonnen.

Die Porsches sind eine erfolgreiche Symbiose aus äußeren und inneren Werten. Doch ein Auto ist immer ein Kompromiss zwischen Technik und Design. "Früher hatten die Techniker das Sagen, heute ist es ein Miteinander", beschreibt Michael Mauer – seit 2004 Designchef von Porsche und seit Ende 2015 zusätzlich Leiter des Konzerndesigns in der gesamten Volkswagen AG – die aktuelle Situation der Zusammenarbeit. Gemeinsam werden Ideen hingebogen, bis es beiden passt. "Nur dann kann etwas dauerhaft erfolgreich sein."

Der Einfluss der Designer steigt

Mauer sagt über sich, dass er im Zweitberuf Diplomat sei und missionarisch unterwegs. "Ich versuche, Menschen davon zu überzeugen, damit sie eine gute Entscheidung treffen." Um seine Aussage zu verstehen, muss man wissen, wie ein Auto entsteht. Zunächst werden Ideen gezeichnet, dann in einem internen Wettbewerb die erfolgversprechendsten ermittelt. Die besten zwei bis vier Entwürfe werden im Original für sehr viel Geld in Handarbeit gebaut. Welches Modell das Rennen macht, muss dann der Vorstand entscheiden. Der fällt seine Entscheidung mithilfe Mauers Rat.

Allerdings: Jetzt kommt die Elektromobilität – und mit ihr wird der Einfluss des Designs steigen, weil die Rolle der technischen Komponente abnimmt. "Heute verbauen wir Vier-Zylinder-Reihenmotoren, V6, V8, V10 und V12, mit und ohne Turbo", erläutert Mauer. "Da steckt eine Menge technisches Wissen dahinter. Bei Elektromotoren ist durch den Antrieb deutlich weniger Differenzierung möglich." Der große Motor und die benötigten Aggregate wie Abgasanlage fallen weg, dafür wird Platz für große und schwere Batterieblöcke an anderen Stellen gebraucht.

Als Marke müsse sich Porsche dann neu erfinden, denn auf Dauer – davon ist Mauer überzeugt – werde ein Elektroauto nicht die Form des Benziners und des Dieselautos behalten. Aber: "Erst wenn sich die Elektromobilität etabliert und weiterentwickelt wie der Verbrenner über viele Jahrzehnte, wird es beim Autodesign viel größere Freiheiten geben als jetzt", sagt der Chefdesigner.