Verantwortliche von Autoherstellern und Hightechunternehmen werden nicht müde, Großes zu verkünden. Das Roboterauto steht – diesen Eindruck dürften viele in den vergangenen Jahren gewonnen haben – kurz vor seinem Durchbruch. Bei der Frage nach einem konkreten Datum werden die Apologeten jedoch meist vage. Gerne wird dann die Zahl 202x genannt und darauf hingewiesen, dass erst noch entsprechende Rahmenbedingungen geschaffen werden müssten.

Das Ausweichen deutet allerdings vor allem darauf hin, dass vieles vorläufig ungewiss bleibt. Vielleicht sogar der Durchbruch vollständig autonom fahrender Autos im öffentlichen Verkehr selbst.

Level 5 ist das vermeintlich nahe Fernziel (siehe Kasten), denn die Fachleute unterscheiden verschiedene Stufen des automatisierten Fahrens. Am Ende soll das wirklich autonome Fahren stehen, bei dem nicht mal mehr ein Lenkrad oder Pedale notwendig sein werden. Das Auto kann dann alle Fahraufgaben allein bewältigen. Tesla und Volvo hatten jeweils schon 2017 als Level-5-Jahr ins Spiel gebracht, aber nicht geliefert.

Andere bleiben da vorsichtiger, etwa das Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO), das als frühestes Datum das Jahr 2025 prognostizierte. Die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften gab das Jahr 2030 und die Unternehmensberatung Oliver Wyman sogar erst 2035 aus. Selbst hierbei könnte es sich um zu optimistische Schätzungen handeln, denn es gibt auch Insider, die vollautonome Autos nicht vor 2050 erwarten. Angesichts etlicher Unwägbarkeiten und vorläufig ungelöster Probleme haben aber alle Prognosen eher die Verbindlichkeit von Kaffeesatzleserei.

Das letzte Prozent der Entwicklung ist das schwierigste

Ein gewisses Maß an Zuversicht scheint nicht einmal abwegig. Auf technischer Seite wurde bereits vieles entwickelt. Und einige fahrerlose Prototypen haben bereits eindrucksvoll demonstriert, dass Autos selbstständig ihren Weg finden können. Auch die vielen fehlerfrei absolvierten Testkilometer geben durchaus Anlass zur Hoffnung. Eigentlich scheint der Durchbruch, zumindest auf der technischen Seite, also nah.

Doch die Entwicklungsfahrzeuge stoßen auch immer wieder auf Probleme oder sogar auf für sie unlösbare Aufgaben, bei denen dann Menschen eingreifen müssen. Das Ziel soll aber eine perfekte Performance sein – und das erweist sich offenkundig als schwierig. So sagte Karl Iagnemma, der Chef des amerikanischen Start-ups nuTonomy, dem Technologie-Magazin Wired, dass auf dem Weg zur Entwicklung vollautonomer Fahrzeuge das letzte Prozent im Vergleich zu den ersten 99 Prozent den weitaus schwierigeren Part darstelle. 

Manche Hürden erweisen sich als größer als vielleicht von einigen zunächst erwartet. Ein Buzzword in diesem Kontext ist die künstliche Intelligenz (KI). Autonome Autos sollen lernen können, wie sie sich in Verkehrssituationen verhalten sollen. Auch hier ist die Lösung angedacht – doch derzeit betreiben Autohersteller und ihre Technikpartner Grundlagenforschung und sind von der Präsentation einer seriennahen Lösung noch weit entfernt.

Auch hinsichtlich der Infrastruktur fehlt es an den Voraussetzungen für autonomes Fahren. In der autonomen Autozukunft soll alles vernetzt sein, Roboterautos müssen mit allen und jedem kommunizieren und dabei gewaltige Datenmengen in sehr kurzer Zeit austauschen. Dafür müssen nicht nur die Fahrzeuge gerüstet sein, sondern auch die Umgebung. Wichtigste Voraussetzung ist der Aufbau eines leistungsfähigen Datennetzes. Wann aber entscheidende Schritte zum Aufbau des Standards 5G unternommen werden, ist derzeit ungewiss. Bislang ist nicht einmal LTE flächendeckend verfügbar. Es dürfte noch Jahre dauern, bis eine für den Einsatz von autonomen Autos entsprechende Breitbandtechnik verfügbar ist.