Wer ein Elektroauto als Dienstwagen auch privat nutzt, kann künftig mit Steuervorteilen rechnen. Das Bundeskabinett hat eine milliardenschwere Förderung beschlossen. Ein Arbeitnehmer, der seinen Firmenwagen privat nutzt, muss monatlich nicht mehr ein Prozent des Listenpreises als geldwerten Vorteil versteuern, sondern nur noch den halbierten Satz von 0,5 Prozent. Die Neuregelung soll für Elektro- und Hybridfahrzeuge gelten, die vom 1. Januar 2019 bis zum 31. Dezember 2021 angeschafft oder geleast werden.

Die große Koalition verspricht sich davon einen Schub bei der weiterhin schleppenden Nachfrage nach E-Autos. Als Haupthindernisse gelten der vergleichsweise hohe Preis der Fahrzeuge, die geringe Reichweite und eine bislang unzureichende Ladeinfrastruktur. "E-Fahrzeuge werden dadurch preiswerter und für eine breite Kundengruppe interessanter", sagte Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU). "Damit kann sich auch ein reger Gebrauchtwagenmarkt etablieren."

Der Verkehrsclub VCD kritisierte die Steuererleichterung als Geschenk vor allem für Fahrer von Luxusautos. Demnach gelten die Steuervorteile besonders für schwere und umweltschädliche Hybridfahrzeuge, die einen E-Antrieb mit einem Verbrennungsmotor kombinieren. Der VCD sprach zudem von einem umweltschädlichen und unsozialen Konjunkturprogramm für die Autoindustrie.

Tatsächlich bewertete der Verband der Automobilindustrie den Steuervorteil für E-Dienstwagen als "guten Beitrag" zum Markthochlauf der Elektromobilität. Die Gesetzesänderung werde gerade ab den Jahren 2019 und 2020 relevant, wenn eine Vielzahl neuer Modelle auf den Markt käme. Branchenangaben zufolge machen Firmenwagen 44 Prozent aller Neuzulassungen bei Elektrofahrzeugen aus, der Anteil an allen Pkw-Neuzulassungen sei mit 32 Prozent deutlich geringer. Mehr als 57 Prozent aller in Deutschland zugelassenen Firmenwagen kämen aus den unteren Segmenten bis einschließlich der Mittelklasse. 

Nach Berechnungen der gemeinnützigen Organisation ICCT, deren unabhängige Abgasmessungen den Beginn des VW-Skandals markieren, dürften die neuen Steuervorteile aber kaum für einen Boom auf dem Markt der E-Autos sorgen. So spart ein alleinstehender Arbeitnehmer (Steuerklasse I) pro Monat lediglich knapp 60 Euro, wenn er sich statt eines benzinbetriebenen VW Golfs einen sogenannten e-Golf anschafft. Diese relativ geringe Ersparnis ergibt sich laut ICCT, wenn ein zu versteuerndes Einkommen von 140.000 Euro und ein Durchschnittssteuersatz von 37,8 Prozent angenommen werden. Bei einem geringeren Einkommen fällt die Differenz entsprechend kleiner aus.