Im Sommer auf dem Roller durch die Stadt düsen? Ja klar, warum nicht – doch dieser heiße und extrem trockene Sommer dürfte bei vielen den Wunsch nach einer klimafreundlicheren Variante aufkommen lassen. Also Elektro- statt Benzinmotor. Das ist kein großes Problem mehr, denn inzwischen werden E-Scooter in großer Zahl in Deutschland angeboten.

Bei klassischen Rollermarken wie Aprilia, Peugeot, Kymco oder Honda ist man bislang allerdings an der falschen Adresse. Lediglich Piaggio will noch in diesem Jahr eine Elektro-Vespa auf den Markt bringen. Das Gros der E-Scooter kommt derzeit aus China, meist von hierzulande unbekannten Herstellern wie Niu oder Doohan. Das muss nicht schlecht sein, doch auf ein paar Dinge sollte man vor dem Kauf unbedingt achten.

Batterie

Bei E-Rollern kommt den Batterien eine Schlüsselrolle zu. Lithium-Ionen-Akkus sind mittlerweile Standard. In der Regel ist man gut beraten, wenn das Wunschmodell einen solchen Akku hat, denn ein Memory-Effekt durch falsches Aufladen ist hier nicht zu befürchten. In der Regel setzen sich die Akkus zudem aus kleinen Zellen zusammen, die von den großen Herstellern Samsung oder Panasonic stammen. Deren Zellen haben sich schon millionenfach bewährt und gelten als ausgereift.

Beim Kauf sollte man außerdem darauf achten, dass die Batterieblöcke herausnehmbar sind. Sonst lässt sich der Akku nicht in der Wohnung laden – dann stehen gerade in den Innenstädten viele vor dem Problem, eine Steckdose fürs Ladegerät zu finden. Idealerweise ist die Batterie modular, das heißt, dass sie aus mehreren Blöcken besteht. So kann man zunächst einmal den Roller mit nur einem Paket kaufen. Merkt man, dass die Reichweite zu gering ausfällt, ist ein Nachrüsten möglich.

Die wichtigste Zahl beim Akku: die Speicherkapazität, die in Kilowattstunden (kWh) angegeben wird. Je mehr kWh, desto größer die Kapazität und damit die Reichweite, bis die Batterie leer ist. Wer zwischen zwei oder mehreren Modellen schwankt, sollte schauen, wie viel die Kilowattstunde bei den Zusatzakkus kostet. Hier kann es große Preisunterschiede geben.

Reichweite

Einen pauschalen Ratschlag, wie viel Reichweite angemessen ist, kann man kaum geben. Wer seinen Roller nur in der Stadt auf kurzen Strecken einsetzt, dürfte auch mit einer Spanne unterhalb von 100 Kilometern gut auskommen. Wer seinen Stromer hingegen auch auf Überlandtouren oder in der Stadt im Dauereinsatz bewegt, sollte sich für ein Fahrzeug mit einer Reichweite im dreistelligen Bereich entscheiden.

Grundsätzlich gilt: Wie bei Elektroautos wird die tatsächliche Reichweite auf der Straße immer unter der vom Hersteller angegebenen Reichweite liegen. Aber wie erwähnt lässt sich bei einigen Rollern die Batteriekapazität nachträglich erhöhen. Mehr als 200 Kilometer sind bereits möglich, aber noch selten.

Teurer in der Anschaffung, günstiger bei den Unterhaltskosten

Preise

Wer einen neuen Elektroroller kauft, muss in jedem Fall eine vierstellige Summe investieren. Insgesamt bewegen sich die Preise auf einem höheren Niveau als bei den konventionell angetriebenen Scootern. Die Spanne reicht von knapp über 1.000 bis über 10.000 Euro. Teilweise wirken die Preise in gewissem Maße willkürlich. Ein Beispiel ist der E-Roller Lipo: Über den Onlinehändler Alibaba kann man ihn direkt in China für knapp 1.000 Dollar bestellen; die Handelsplattform Ecomobility bietet ihn hierzulande für rund 3.300 Euro an. Über Real-Märkte wurde das Modell im Frühjahr 2018 für zunächst 2.399 Euro vertrieben und der Preis mittlerweile auf 2.000 Euro gesenkt. Da sich der Markt erst noch konsolidieren muss, haben es Käufer schwer, ein Preisgefühl zu entwickeln. Hier hilft nur der Vergleich im Internet und bei Händlern.

Betriebskosten

Beim Kauf des E-Rollers muss man im Vergleich zum benzingetriebenen etwas mehr investieren – dafür liegen die Betriebs- und Unterhaltskosten in der Regel niedriger. Der Strom für 100 Kilometer kostet oft weniger als einen Euro, spürbar weniger als der Sprit für den vergleichbaren herkömmlichen Scooter. Zudem fallen für Wartung und Verschleiß üblicherweise geringere Kosten an, weil die meist einfacher konstruierten Motoren weniger anfällig sind. Außerdem gibt es weder Getriebe noch Kette.

Leistung/Geschwindigkeit

Mehr ist mehr, allerdings mit Grenzen. Wer nur die Prüfbescheinigung für die Mofa-Klasse besitzt – also Zweiräder bis 25 km/h – sollte einen E-Roller gar nicht erst in Erwägung ziehen, sondern gleich nach einem Pedelec Ausschau halten. Die meisten E-Scooter dürfen mit dem herkömmlichen Pkw-Führerschein (Klasse B) bewegt werden. Maximal sind hier 4 kW Motorleistung erlaubt. Sie sind auf 45 km/h beschränkt, was im Stadtverkehr bisweilen Nerven kostet, da man von Autofahrern als Hindernis wahrgenommen wird.

Wer souverän im Verkehr mitschwimmen will, kann ein Modell wählen, dessen Leistung über diesem Niveau liegt. Allerdings handelt es sich dann um ein Leichtkraftrad, also um ein Zweirad der 125er-Klasse – und dafür genügt der Führerschein der Klasse B nicht mehr. Leichtkrafträder dürfen eine Motorleistung von höchstens 11 kW haben, die meisten elektrischen Leichtkraftrad-Scooter liegen ein paar kW darunter und erreichen Geschwindigkeiten von 60 bis über 100 km/h.

Förderung

Anders als bei elektrisch angetriebenen Autos gibt es für E-Roller keine staatlichen Subventionsprogramme. Auf regionaler Ebene gibt es mancherorts eine Förderung durch Kommunen; aber auch einige Stromversorger unterstützen, oft mit finanziellen Anreizen, den Kauf eines emissionsfreien Fahrzeugs.

Zeitpunkt

Das Angebot an E-Rollern ist bereits vielseitig, und viele Modelle sind technisch mehr als zufriedenstellend. Für die nahe Zukunft hat eine Reihe von Herstellern allerdings Neuheiten angekündigt, mit teils mehr Überzeugungspotenzial.