Dabei ist Bird nicht das einzige Unternehmen, das in dem Mikrotransportmittel eine Marktlücke sieht. Inzwischen sind mehr als zwölf Anbieter auf den Trend aufgesprungen – darunter nicht nur Startups, sondern bekannte Namen mit voller Kasse. Uber etwa kaufte im April den Bird-Wettbewerber Jump und kündigte im Juli außerdem eine Zusammenarbeit mit Wettbewerber Lime an: Dessen Roller können künftig direkt über die Uber-App geliehen werden. Auch die Nummer zwei im Fahrgeschäft, Lyft, arbeitet schon seit dem Frühjahr an einem hauseigenen Scooter-Dienst. Im Juli übernahm die Firma zudem den größten App-basierten US-Fahrradverleih Motivate.

Jetzt drängen die Dienste auch ins Ausland. Bird hat gerade ein erstes Pilotprojekt in Paris gestartet, in den kommenden Wochen sollen die Scooter nach Tel Aviv kommen, bald sollen weitere Städte folgen. Bird ist mit dem Schritt ins Ausland spät dran, Konkurrent Lime – die Nummer zwei auf dem US-Markt – ist mit seinen E-Tretrollern bereits jetzt schon in Zürich und Paris vertreten.

Nicht umsonst hat das Bird-Management die Expansion Patrick Studener anvertraut. Der war bereits verantwortlich für das schwindelerregende internationale Wachstum bei Uber. Anders als beim Start in der Heimat arbeitet Bird diesmal nach eigenen Angaben aber eng mit den Behörden vor Ort zusammen. Europa, so die Hoffnung, sei angesichts der Verbreitung von Bikesharing-Diensten und grüner Energie offener für die Roller. In Deutschland allerdings können Bird und Lime mit ihren Scootern derzeit nicht Fuß fassen: Hier sind elektrisch angetriebene Kleinstfahrzeuge, die technisch mehr als 6 km/h schaffen, im öffentlichen Raum verboten. So ist Lime in Frankfurt, Bremen und Berlin bislang nur mit seinen Leihfahrrädern aktiv. Doch noch in diesem Jahr könnte das Bundesverkehrsministerium die E-Tretroller zulassen, eine entsprechende Verordnung wird gerade erarbeitet.

Auf Anfrage gibt's einen Helm dazu

Unterdessen kämpfen die Firmen in der Heimat weiter gegen große Widerstände. Los Angeles arbeitet an einer ähnlichen Regelung wie San Francisco und will die Dienste erst nach einem aufwendigen Genehmigungsprozess wieder auf die Straße lassen. Das südkalifornische Huntington Beach hat gerade ein viermonatiges Moratorium verhängt, das Zeit geben soll, Lösungen zu finden. In Milwaukee im Bundesstaat Wisconsin erwägt der Stadtrat gerade neue Regeln, die die Roller völlig vom Straßenbild verbannen würden. Und die Stadt Cambridge in Massachusetts schickte am vergangenen Donnerstag eine einstweilige Verfügung an Bird und forderte den Anbieter auf, seine Roller noch in derselben Woche zu entfernen. Jeder Scooter, der danach gefunden werde, werde von der Stadt konfisziert. Auch im Netz zeigt sich die Skepsis: Auf Instagram finden sich unter dem Hashtag #ScootersBehavingBadly Bilder von Rollern, die achtlos auf den Gehweg geworfen oder auf Parkbänken abgestellt wurden.

Der Druck zeigt Wirkung. Inzwischen hat sich Bird vielerorts auf eine ganze Reihe von Zugeständnissen eingelassen, um die Behörden zu besänftigen. So wurde die Höchstgeschwindigkeit der Roller von 35 auf 24 Kilometer pro Stunde gedrosselt, und auf Anfrage schickt die Firma ihren Kunden kostenlos Helme – mehr als 40.000 sind es nach Angaben von Bird inzwischen. Ein eigenes Gremium, in dem auch Verkehrssicherheitsexperten sitzen, soll Schritte diskutieren, wie die Sicherheit von Fahrern und Passanten erhöht werden kann. Ein Fonds, in den jeden Tag pro Roller ein Dollar eingezahlt wird, soll den Ausbau von Fahrradwegen in den Städten unterstützen.

Travis VanderZanden scheint den Gegendruck zu seinem Dienst bislang vor allem als notwendiges Übel zu sehen und spielt die Kritik herunter – auf gewohnt selbstbewusste Art. Anfang des 20. Jahrhunderts, sagte er im Gespräch mit der New York Times, hätten die Menschen schließlich auf die ersten Autos auch skeptisch reagiert, weil sie nur Pferdekutschen gewohnt gewesen seien.