580 Meter auf der Max-Brauer-Allee, 1.600 Meter auf der Stresemannstraße: Auf zwei Straßenabschnitten in Hamburg-Altona gilt seit drei Monaten ein Fahrverbot für bestimmte Dieselfahrzeuge. Seit Ende Mai müssen ältere Diesel-Pkw und -Lkw den kurzen Abschnitt der Max-Brauer-Allee umfahren, für die etwas längere Strecke auf der Stresemannstraße gilt das Verbot nur für ältere Diesel-Laster.

Anlass für die Maßnahmen waren die hohen Abgasbelastungen. Hamburg zählt neben vielen anderen Städten in Deutschland zu den Kommunen, in denen vor allem die Werte für das gesundheitsschädliche Stickstoffdioxid (NO2) übermäßig häufig die EU-Grenzwerte überschreiten.

Doch hilft da die kleinräumige Lösung der Hamburger Umweltbehörde weiter? Schließlich gab sie selbst offizielle Ausweichrouten aus. Würde die Luft dort nicht schlechter, während sie sich auf den beschränkten Abschnitten verbessert? Umweltverbände befürchteten unter dem Strich gar eine Verschlechterung, weil die Umfahrungen länger sind und somit insgesamt mehr Abgase entstehen.

Die Stadt setzt auf Modellrechnungen

Die Hamburger Umweltbehörde sieht dafür keine Anzeichen. "Sicher kommt es aufgrund der Durchfahrtsbeschränkung zu erhöhtem Verkehrsaufkommen in den Umfahrungsbereichen", sagt Sprecher Björn Marzahn, "jedoch wird dort im Jahresmittel die Schadstoffgrenze nicht überschritten werden."

Eine mutige Prognose. Denn an den Ausweichrouten misst die Stadt die Schadstoffwerte in der Luft überhaupt nicht, wie Marzahn einräumt. Für diese Straßen habe man lediglich "mit Modellrechnungen der zu erwartenden Verkehre" die mögliche NO2-Konzentration in der Luft berechnet. Dabei kam heraus, dass "keine zusätzlichen Überschreitungen prognostiziert" wurden, heißt es auch in einer Antwort des Senats auf eine Kleine Anfrage von CDU-Abgeordneten der Hamburger Bürgerschaft, also des Landesparlaments, von Mitte Juli. "Der Senat geht davon aus, dass die realen Luftqualitätswerte den Berechnungen entsprechen", steht dort.

Dieselfahrverbote in Hamburg

Gesperrte Straßenabschnitte

Umweltverbände bezweifeln das. Der Hamburger BUND hat zusammen mit der Deutschen Umwelthilfe (DUH) im Juni stichprobenartig gemessen, wie hoch die NO2-Konzentration in den seit Ende Mai beschränkten Abschnitten und an den Ausweichstrecken ist. Ihr Ergebnis: In der Max-Brauer-Allee und der Stresemannstraße sei die Belastung leicht zurückgegangen, an den Ausweichrouten hingegen sei jetzt mehr NO2 in der Luft als erlaubt. Daher sei die Bedingung des Hamburger Luftreinhalteplans verletzt, dass der Ausweichverkehr "nicht zu einer Grenzwertüberschreitung andernorts führen" dürfe, kritisiert der BUND.

In der Holstenstraße etwa, die als Umfahrung der Max-Brauer-Allee gilt, maßen BUND und DUH im Schnitt 42 Mikrogramm NO2 pro Kubikmeter Luft. An der Fruchtallee, die als Ausweichstrecke für die Stresemannstraße genutzt wird, kamen die Verbände sogar bei 59 Mikrogramm NO2. Zulässig sind 40 Mikrogramm – im Jahresmittel. Genau wegen dieses Details weist die Umweltbehörde die Kritik der Umweltschützer zurück. "Der vom BUND ermittelte Monatswert hat keine Aussagekraft", sagt Sprecher Marzahn. "Relevant ist der Jahresmittelwert."

Den allerdings misst die Behörde an den Ausweichrouten nun mal nicht. Sie betreibt nur weiterhin die Luftmessstationen in den Abschnitten, in denen seit Ende Mai die Durchfahrtsbeschränkungen gelten – und ob dort die EU-Grenzwerte nun eingehalten werden, kann Marzahn derzeit nicht sagen. Eine gültige Aussage darüber lasse sich "erst nach einem Jahr sagen, wenn das Jahresmittel vorliegt". Der Senat begründet das damit, dass Durchschnittswerte weniger Monate keine validen Aussagen zur tatsächlichen Belastung zuließen, weil die Messwerte etwa "von meteorologischen Verhältnissen" abhingen.