Die Nachricht kam sogar für VW Deutschland überraschend. In einer Pressemeldung gab der Leiter von Volkswagen of America Hinrich Woebcken am Donnerstag bekannt, dass die Produktion des Beetle im Sommer 2019 nach acht Jahren weltweit eingestellt wird. "Vor allem der Zeitpunkt der Ankündigung hat uns überrascht", sagt Bernd Schröder, Pressesprecher bei VW in Wolfsburg für kompakte Modelle, zu denen das Fahrzeug zählt. Schließlich sind zwei neue Modelle angekündigt, die erstmals Ende dieses Jahres auf der Automesse in Los Angeles gezeigt werden. Deren Modellbezeichnung Last Edition weißt indes schon auf das Ende des Kultautos hin.

Der verräterische Name hat – so vermutet es Schröder – dazu geführt, dass der Amerika-Chef ohne Abstimmung mit der Zentrale in Wolfsburg die Öffentlichkeit informiert hat. Wenn die Automobilhersteller ein neues Modell auf den Markt bringen, informieren sie vorab ihre Händler, damit die sich auf das neue Produkt einstellen können. So hat VW auch bei der Last Edition gehandelt. "Diese Ankündigung ist wahrscheinlich an die Öffentlichkeit durchgesickert", mutmaßt der Sprecher. Daraufhin war Woebcken gezwungen, sofort zu reagieren.

Dass er es durfte, daran lässt Schröder keinen Zweifel: "Amerika hat die Kommunikationshoheit, weil das Auto dort angeboten wird und die USA der bedeutendste Markt für den Beetle sind." Denn tatsächlich wird das Beetle-Coupé in Deutschland schon seit Mitte 2017 nicht mehr verkauft, und sowohl Coupé als auch Cabrio wurden im März dieses Jahres europaweit eingestellt (diese beiden Varianten gibt es vom Beetle). Ein Grund für dieses Verkaufsende liegt im neuen Abgastestverfahren WLTP für Europa: Für die geplante Restlaufzeit wie in den USA hätte sich die Umstellung nicht gerechnet.

Am Ende des Lebenszyklus

Die überraschende Mitteilung aus Amerika sorgte jedenfalls für Aufmerksamkeit – kein Wunder, schließlich ist der Beetle der offizielle Nachfolger des legendären Käfers. Daher hatte auch der Beetle Kultstatus, und darum wiegt das angekündigte Produktionsende zumindest emotional schwer. Dabei war mit mehr als 21 Millionen verkauften Fahrzeugen über Jahrzehnte der Käfer das weitaus erfolgreichere Modell als der Beetle – das erfolgreichste im VW-Konzern.

Zuerst kam der New Beetle auf den Markt. Das Modell wurde im Oktober 1997 erstmals produziert, da lief der Käfer in Mexiko noch vom Band. Der letzte Käfer entstand im dortigen Werk Puebla am 30. Juli 2003. Der in der Designform an den Klassiker angelehnte New Beetle wurde bis 2010 produziert, dann 2011 vom Beetle abgelöst. Der teilt nun lokal das Schicksal seines Stammvaters: Auch er läuft – voraussichtlich im Juli 2019 – im VW-Werk Puebla aus.

Weltweit wurden vom New Beetle und seinem Nachfolger insgesamt rund 1,7 Millionen Fahrzeuge verkauft. Die USA, Kanada und Mexiko waren die wichtigsten Märkte für das Fahrzeug, später kam China dazu. In Europa und insbesondere in Deutschland lief der Absatz der beiden Käfer-Erben schlecht. "Europäer sind praktisch orientiert, und darin ist der Golf viel besser", wagt Pressesprecher Schröder eine Erklärung. Warum die Produktion eingestellt wird, sei recht einfach: "Nach acht Jahren auf dem Markt ist das Produkt am Ende seines Lebenszyklus angekommen." Außerdem will VW sich auf Modelle mit hohen Absatzzahlen konzentrieren, wie Golf und Passat, und auf den Trend SUV.