Der Unterschied besteht darin, dass sich die Struktur der Thermoplastschale durch UV-Licht und Wärme verändert, weil sie auf Temperatureinflüsse reagiert. "Nach drei Jahren setzt der Alterungsprozess ein. Die Widerstandsfähigkeit der Schale lässt nach, weil sie dann einen Großteil ihrer physikalischen Stabilität eingebüßt hat", so Kaiser. Die ehemals harte Schale wird brüchig und porös. Dann sollte der Helm ausgetauscht werden. Die Struktur eines Duroplasthelms verändert sich dagegen nicht mehr, weil bei dessen Herstellung in der Verbindung mit Härtern eine unumkehrbare chemische Reaktion stattfindet.

Bei Bikern finde ein Umdenken statt, stellt Kaiser fest. Vor zehn Jahren lag der Anteil von Thermoplasthelmen in Europa bei rund 70 Prozent, heute machen sie weniger als 50 Prozent aus. "Das Sicherheitsbewusstsein steigt, und weil Motorradfahrer heute im Durchschnitt 50 Jahre alt sind, ist auch das notwendige Geld für sichere Ausrüstung vorhanden."

Besser ein Doppelscheibenvisier

Ein weiterer wesentlicher Sicherheitsaspekt bei einem Helm ist sein Gewicht. Ein hohes Gewicht belastet die Hals- und Nackenmuskulatur, und bei einem Unfall ist ein schwerer Helm eine größere Belastung für den Kopf. Man kann daher nicht nach Belieben mehr Gewebeeinlagen in die Schale packen, weil diese den Helm schwerer machen würden. "Die Kunst besteht darin, mit wenig Material viel Sicherheit zu schaffen", sagt Kaiser. Die Gewebe werden an den Stellen eingelegt, die bei Stürzen am stärksten beansprucht sind. Entscheidend ist, dass der Helm bei einem Sturz die Aufprallenergie absorbiert – je mehr er aufnehmen kann, umso besser für das Unfallopfer.

Ob der Verunfallte nun einen Integral- oder Jethelm trägt, ist wesentlich für die Schwere einer Verletzung. "Beim Jethelm ist das Gesicht weitgehend ungeschützt", warnt der ADAC-Experte. Keinen Unterschied mache es aber heute mehr, ob man mit einem Integral- oder Klapphelm fährt. "Die Verschlüsse von Klapphelmen sind inzwischen so gut, dass sie bei einem Unfall nicht mehr aufspringen." Wichtig für die Sicherheit ist außerdem das Visier: Wenn es beschlägt, wird der Blick trüb. "Wir raten daher zum Doppelscheibenvisier, dem Pinlock", sagt der ADAC-Sprecher.

Seit drei bis vier Jahren gibt es sogenannte Emergency Pads. Das sind herausnehmbare seitliche Wangenpolster, die der Ersthelfer nach einem Unfall herausziehen kann, damit der Helm leichter vom Kopf geht. "Das tut er dann auch, wir haben es überprüft", sagt der ADAC-Experte. Die Pads sind eine freiwillige Sache.

Der Fachmann rät allerdings dazu, einen Helm nach etwa fünf Jahren auszutauschen – egal, ob nun Thermo- oder Duroplast. "Denn dann wird er weit und sitzt nicht mehr straff." Immer wieder stellt er fest, dass vielen der Helm zu locker auf dem Kopf sitzt. Wenn dann auch noch der Kinnriemen nicht stramm ist, besteht die Gefahr, dass der Helm beim Unfall vom Kopf fliegt.