Wie die Zukunft des Verkehrs ohne privates Auto aussieht, sieht man möglicherweise gerade in Finnland. In der Hauptstadt Helsinki hat Sampo Hietanen einen der aktuell wohl am besten funktionierenden Mobilitätsservices weltweit aufgebaut. Kern ist die Reiseplanungs-App Whim, die es der Nutzerin ermöglicht, den besten Verkehrsmittelmix für ihren geplanten Trip auszuwählen. Neben Bus und Bahn werden Carsharingangebote genauso berücksichtigt wie Mietwagen, Taxis oder Leihräder.

Ähnliche Apps gibt es zwar auch hierzulande längst – anders als Whim ermöglichen sie aber in der Regel keine direkte Onlinebuchung aller Verkehrsmittel über das Handy. Und nicht nur einzelne Tickets lassen sich über den Dienst ordern, Dauernutzer können auch eine Art Mobilitätsflatrate abschließen und dann ab 500 Euro im Monat alle Verkehrsmittel unbegrenzt nutzen. Als günstigere Lösung gibt es ein 50-Euro-Abo, das beispielsweise die Kosten für einen Mietwagen auf maximal 50 Euro pro Tag deckelt.

Eine langfristige Bindung muss kein Kunde eingehen, die Abos sind jederzeit kündbar. Das hat Whim den Spitznamen "Netflix der Mobilität" eingebracht. Ähnlich wie bei dem Filmstreamingdienst fällt so die ansonsten bei Abomodellen bestehende Hürde, mit der Nutzung überhaupt erst einmal zu beginnen. Die Kosten mögen auf den ersten Blick hoch aussehen, doch schon das eigene Auto kostet inklusive Wertverlust, Versicherung, Kraftstoff und Instandhaltung einen Halter ein paar 100 Euro im Monat. Whim ist also in erster Linie ein Angebot für alle, die auf einen eigenen Wagen verzichten und trotzdem viel unterwegs sein wollen.

Parkplätze zu Parks

Der Privatwagen ist ein Auslaufmodell, die Ware Auto wird von der Dienstleistung Beförderung abgelöst: So stellt sich nicht nur Sampo Hietanen mit seinem Start-up MaaS Global die Zukunft des Personentransports vor. Mit dem Konzept Mobility as a Service(MaaS) beschäftigen sich weltweit Automobilhersteller, aber auch Start-ups und Verkehrsunternehmen. Die avisierten Vorteile sind beachtlich, doch es gibt auch offene Fragen und Risiken.

Schon Hietanens simple Variante von MaaS erleichtert die individuelle Mobilität. Und könnte die komplette Verkehrssituation verbessern, falls genügend Kundinnen vom Auto auf einen öffentlichen Verkehrsmittelmix umsteigen. Gerade wachsende Metropolen erhoffen sich davon eine deutliche Reduzierung von Staus und Luftverschmutzung.

Das Versprechen an die künftigen Nutzer: Alles wird einfacher und billiger, das Privatauto verschwindet aus den Städten und macht Platz für mehr Lebensqualität. Studien prognostizieren in der Tat enorme Vorteile. In einer Stadt wie München würden rund 200.000 Pkw überflüssig. Millionen Quadratmeter Parkplätze könnten in den Metropolen zurückgebaut und anderweitig genutzt werden – etwa als Radwege, aber auch als Grünflächen. 23 Milliarden Dollar an Staukosten würde allein Los Angeles sparen, sagen Experten.