In Deutschland werden weiterhin wenig Elektroautos gekauft. Das Ziel der Bundesregierung, bis zum Jahr 2020 eine Million E-Autos zugelassen zu haben, ist deshalb nach der Einschätzung der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE) nicht zu erreichen. Bei einer gleichbleibenden Marktdynamik könne die Marke von einer Million Elektrowagen erst im Jahr 2022 erreicht werden – zwei Jahre später als geplant.

Seit acht Jahren beobachtet die NPE den Markt für E-Autos in Deutschland und berät dazu die Bundesregierung. In einem Fortschrittsbericht, den die Organisation in Berlin vorlegte, zeigen aktuelle Zahlen die derzeitige Verbreitung von E-Autos in Deutschland: Zu Beginn dieses Jahres fuhren insgesamt 334.990 Elektro- oder Hybridautos auf deutschen Straßen. Bis Ende August registrierte das Kraftfahrtbundesamt weitere 132.686 Neuzulassungen.

Im Jahr 2010 hatte die NPE die Schätzung von einer Million E-Autos im Jahr 2020 abgegeben. Die Bundesregierung hatte diese Kennziffer übernommen. Allerdings hatte die Bundeskanzlerin bereits vor einem Jahr Zweifel an der Umsetzbarkeit geäußert: "So wie es im Augenblick aussieht, werden wir dieses Ziel nicht erreichen."

Es fehlen Zehntausende Ladestationen

Als Gründe für den schleppenden Verkauf gelten neben den hohen Preisen für E-Autos auch die begrenzte Reichweite mit einer Batterieladung und die mangelnde Verbreitung von Ladestationen. Für eine Million Elektroautos wären nach Berechnungen des Bundesverbands der Energie- und Wasserwirtschaft rund 70.000 Normalladepunkte und 7.000 Schnellladepunkte nötig. Aktuell gebe es bundesweit insgesamt 13.500 öffentliche oder teilöffentliche Ladestationen. Die große Koalition will bis 2020 mindestens 100.000 zusätzliche Ladepunkte schaffen.

In anderen Ländern, etwa in China, den USA oder Norwegen, wird die Elektromobilität politisch stärker gefördert als in Deutschland. Der Vorsitzende der NPE, Henning Kagermann, forderte bei der Übergabe des Berichts an die Bundesregierung anhaltendes staatliches Engagement: "Das Eine-Million-Ziel bleibt eine gute politische Richtgröße." Wichtiger als das genaue Datum sei ein stimmiges Gesamtsystem aus Angebot, Infrastruktur, einem klimafreundlichen Energiesystem, Dienstleistungen und rechtlichen Rahmenbedingungen. Prinzipiell lasse die Entwicklung der Verkaufszahlen hoffen: "Die Marktdynamik mit hohen Zuwachsraten in Deutschland sieht sehr positiv aus und zeigt, dass wir wesentliche Fortschritte erreicht haben", sagte Kagermann.

Derzeit bieten Autobauer in Deutschland 33 Modelle für E-Autos an. Bis 2020 sollen es rund 100 Modelle sein. Im vergangenen Jahr hatte die Bundesregierung ein Milliardenbudget für Forschungs- und Entwicklungsarbeiten im Bereich Elektromobilität bereitgestellt.