Auf dem Weg zur Arbeit komme ich auf meinem Fahrrad hier in Nordhorn jeden Morgen an einer Stelle vorbei, an welcher der separate Radweg vor einem Kreisverkehr auf die Straße geführt wird. Dort ist er mit einer durchgezogenen Linie markiert. Wenn ich vom Radweg auf die Straße fahre und gleichzeitig ein Auto dort fährt (Rad und Auto also nebeneinander fahren), reagieren die Autofahrer oft irritiert. Wie verhalte ich mich als Radfahrerin richtig? Muss ich warten, bis die Straße frei ist, oder kann ich weiterfahren, da das Auto den gekennzeichneten Radfahrstreifen nicht befahren darf?, will ZEIT-ONLINE-Leserin Wiebke Niemeier wissen.

Kreisverkehre sind bei Verkehrsplanern beliebt, wie ihre große Verbreitung zeigt. Doch im Zusammenspiel mit Radwegen wird die Sache bisweilen kompliziert, wie schon frühere Folgen unserer Serie gezeigt haben. Ist das beim Sachverhalt, den Wiebke Niemeier beschreibt, auch so?

Im Grunde ist die Sache klar, wie Stefan Herbers, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Oldenburg, erklärt: "Die durchgezogene weiße Linie ist gemäß der Straßenverkehrsordnung ein Verkehrszeichen (Nummer 295 der Anlage 2) und verbindlich von allen Verkehrsteilnehmern zu beachten. Sie darf nicht von einem Fahrzeug – auch nicht nur teilweise – überfahren werden. Das gilt, da der Gesetzgeber nicht den Begriff Kraftfahrzeug gewählt hat, sowohl für motorisierte Fahrzeuge wie beispielsweise Pkw als auch für nicht motorisierte wie ein Fahrrad."

Die weiße Linie neben dem Fahrradpiktogramm auf der Fahrbahn erklärt folglich den Bereich rechts neben der Linie zum Radweg, der für Kraftfahrzeuge tabu ist. "Ein Autofahrer darf auch dann nicht den Radweg befahren, wenn er zum Beispiel einem links abbiegenden und stehenden Kraftfahrzeug ausweichen möchte", ergänzt Herbers.

Rechtlich gesehen sind Radfahrerinnen und Radfahrer in diesem Fall also, trotz aller Irritation der Kraftfahrer, auf der sicheren Seite. Sie müssen auch nicht auf die Kraftfahrzeuge warten, betont der Rechtsanwalt. "In der Praxis sollte man aber gerade beim Auffahren auf die geteerte Fahrbahn lieber noch einen Blick über die linke Schulter werfen", fügt er hinzu. "Allzu häufig wird – da die Situation durchaus ungewöhnlich ist – das Kraftfahrzeug vom Fahrer 'automatisch' weiter nach rechts an den Rand der Fahrbahn gesteuert."

Herbers rät dennoch Radfahrern, hieraus nicht den Schluss zu ziehen, einfach auf dem Fußweg die Fahrt fortzusetzen. "Hier ist man zwar als Radfahrer sicher vor den Kraftfahrzeugen, gefährdet aber die Fußgänger und Fußgängerinnen", sagt er.