Über die Hälfte der Erdbevölkerung lebt in einer Stadt. Noch Mitte des letzten Jahrhunderts wohnten gerade einmal 749 Millionen Menschen in Städten, heute sind es fast vier Milliarden! Und in 30 Jahren sollen es noch 2,5 Milliarden mehr sein, prognostizieren Experten. Und all diese Menschen bewegen sich durch ihre Stadt, zu Fuß, mit dem Rad, dem Auto oder dem öffentlichen Nahverkehr. Sie erzeugen Verkehr. Und das heißt: All diese Menschen verursachen Staus, Krach, giftige Luft, Gedrängel. Manche werden dabei verletzt oder sogar getötet. Schon heute steht der Verkehr in vielen Städten vor dem Kollaps. Damit Städte auch in Zukunft noch lebenswert sind, braucht es Lösungen.

Eines scheint schon heute klar: Das perfekte Mittel gibt es nicht. Vielmehr wird es wohl auf eine intelligente und flexible Verschmelzung verschiedener Systeme hinauslaufen, sprich: Der Verkehr von heute muss neu organisiert werden.

Dabei wird der Individualverkehr eine große Rolle spielen. Einigkeit besteht darüber, dass Fahrzeuge künftig ausschließlich elektrisch betrieben werden, denn noch mehr Verbrennungsabgase sind nicht zumutbar.

Schwieriger wird es aber beim nächsten Zukunftsthema des individuellen Verkehrs: dem autonomen Fahren. Einige Unfälle in der Vergangenheit kratzen am Selbstverständnis der Hersteller, dass ihre Fahrzeuge absolut sicher unterwegs seien. "Man muss sich von der Vorstellung verabschieden, dass autonome Fahrzeuge zum absolut unfallfreien Verkehr führen", sagt der Zukunftsforscher Alexander Mankowsky. Er ist sich aber sicher, dass es "viel weniger Unfälle geben wird", so der Forscher.

Die Straße gehört in Zukunft allen

Gerade in der Stadt mit ihren komplexen Verkehrsströmen ist das völlig autonome Fahrzeug des Levels 5, also ohne jeden Eingriff durch den Fahrer, eine enorme technische Herausforderung. Nötig dafür sind ein aufwendiges Netzwerk aus Sensorik, Signalverarbeitung, Motorik und Kommunikation. Und zwar auch zwischen Maschine und Mensch, vor allem Fußgängern. Denn zu den großen Zukunftsvisionen gehören Shared Spaces. Darunter versteht man gemeinsam genutzte Flächen und Räume für alle Verkehrsteilnehmer, auf denen alle die gleichen Rechte haben.

Shared Space heißt also: keine Schneisen mehr für schnelles Blech, flankiert von schmalen, meist zugeparkten Fuß- und Radwegen – sondern ein relaxtes Miteinander aus Menschen, die mal zu Fuß, mal langsam im Auto, mal vorsichtig per Rad denselben Asphalt bevölkern. Dazwischen spielen Kinder.

Und dann erst die Idee von komplett autonomen Autos: Sie sollen mit den Menschen per Lichtzeichen "sprechen", also mit einem eindeutige Signal aus hellen LEDs kommunizieren, die so viel aussagen wie: "Ich habe dich gesehen und halte an." Oder: "Ich fahre jetzt los." Oder auch: "Achtung, ich parke jetzt ein."