Der wohl schwerste Schlag für das kleine Auto waren jedoch die Qualitätsprobleme, die im Herbst 2009, kurz nach Marktstart, auftraten. Offenbar war die Elektrik fehlerhaft, sodass in zahlreichen Autos Plastikteile verschmorten und es zu starker Rauchentwicklung kam. Dass der Nano auch in Crashtests nicht recht überzeugte, belastete bei der Kundensuche zusätzlich.

Ganz abgesehen von den Anlaufschwierigkeiten: Der eigentliche Kern des Scheiterns liegt tiefer, nämlich in der Grundidee. Die stolzen aufstrebenden Autokäufer Indiens wollten gar kein Billigauto. Wer sich einen Wagen leisten kann, will auf dem Subkontinent – wie hierzulande in der Regel auch – seinen sozialen Status präsentieren und seine finanziellen Möglichkeiten zeigen. Doch ein Niedrigpreis-Pkw macht nicht einmal den ärmlichsten Nachbarn neidisch. Auch Konzernchef Ratan Tata hat mittlerweile eingeräumt, die Bewerbung als "billigstes Auto" sei wohl ein Fehler gewesen.

Der Nano verkaufte sich in Indien von Anfang an schleppend. In zehn Jahren wurden gerade einmal 300.000 Fahrzeuge verkauft – so viele, wie es eigentlich in einem Jahr hätten sein sollen. In den letzten Monaten stellte Tata nur noch gut 200 Autos pro Monat her. Im Juni war es gar nur noch ein einziger. Für den Konzern ist das einstige Lieblingskind längst zum Verlustbringer geworden. Gebaut wurde er zuletzt nur noch aus emotionalen Gründen, wie Tata-Motors-Präsident Cyrus Mistry unlängst in der Economic Times India eingestand.

Auch die verbesserte Neuauflage als GenX Nano war kein Erfolg. © Hersteller

Auch Versuche, den Nano doch noch zum Erfolg zu machen, scheiterten. Komfortextras wie Klimaanlage und Servolenkung kamen erst, als der Kleine schon als Flop verschrien war. Der Relaunch als GenX Nano mit Automatik und stärkerem Motor im Jahr 2015 verpuffte. Der Idee, den Nano zu einem Billig-Elektroauto für Firmenflotten umzuwidmen, traute man offenbar selbst so wenig, dass sie nie umgesetzt wurde.

Für Tata Motors war der Misserfolg durchaus schmerzhaft. Das Scheitern des Nano gilt unter Analysten als einer der Gründe für die bis heute anhaltende Schieflage des Unternehmens, dessen Autoproduktion sich in den vergangenen sieben Jahren fast halbiert hat. Durch das Produktionsende des Nano fehlt der Marke nun auch noch der Titel des billigsten Autos weltweit.