Der Manager von Audi ist sicher: Tesla hat seine besten Zeiten bald hinter sich. Dann nämlich, wenn seine Firma endlich mit dem elektrischen e-tron den Markt erobert. "Die Teslas sind doch Schrottgurken", poltert der Audi-Vertreter, der anonym bleiben möchte. "Deren Fahrer stehen bei unseren Händlern auf der Matte und warten nur darauf, dass sie ihren Wagen endlich gegen unser Modell eintauschen können."

Man kann solche Sätze natürlich, und mit gutem Grund, als weiteres Symptom der Überheblichkeit deutscher Autobauer einordnen, die den Trend zum Elektroauto verschlafen haben – und dem kalifornischen Elektroautohersteller seinen Siegeszug und den Aufstieg zur Kultmarke erst ermöglichten. Gerade die Marken aus dem Volkswagenkonzern sind ein peinliches Beispiel dafür: Während das Model S von Tesla die Luxuslimousinen aus Deutschland bei den Verkaufszahlen abhängte, verzettelten sich Audi und Porsche in einem Bruderkrieg, wer denn nun welche Elektroplattform im VW-Reich entwickeln darf. Audi e-tron und Porsche Taycan kommen demnächst als aufwändige Eigenentwicklungen auf den Markt, die keine gegenseitigen Synergien nutzen – und somit wenig zukunftsfähig sind.

Dennoch: Es wird enger für Tesla. Die Konkurrenz schläft nicht (mehr). Nicht nur Europas größter Autokonzern hat mittlerweile eine abgestimmte Strategie für die Elektromobilität gefunden. Auch Daimler steht mit seinem E-Mobil EQC kurz vor dem Start. BMW ist mit dem i3 schon dort, wo Tesla mit einem kompakten Elektroauto hinwill, und tritt zudem bald mit einem elektrischen SUV auf Basis des X3 gegen das Model X an. Das im Jaguar i-Pace gerade schon einen sehr guten Wettbewerber gefunden hat. Das meistverkaufte Elektroauto der Welt stellt Nissan mit dem Leaf und General Motors baut mit dem Bolt das bessere Tesla Model 3.

Ist Musk noch der Richtige?

Der schärfer werdende Wettbewerb trifft die Kalifornier zu einem Zeitpunkt, in dem ihr Geschäftsmodell ohnehin auf dem Prüfstand steht. Bislang schien Tesla unverwundbar, was immer auch geschah: teils tödliche Unfälle wegen überforderter Technik des angeblichen Autopiloten, brennende Autos aufgrund beschädigter Akkus, Qualitätsmängel beim Model X – all das verziehen die Investoren großmütig.

Doch mit dem preisgünstigeren Model 3 und dem damit geplanten Aufstieg zum Großserienhersteller werden die Probleme unübersehbar. Tesla erreicht seine Produktionsziele kaum. Auch in der letzten Augustwoche unterboten die Kalifornier mit 4.300 gebauten Einheiten das selbst gesteckte Ziel von 6.000 deutlich. Fast jeder vierte Vorbesteller hat seine Order mittlerweile wieder storniert.

Und Tesla-Chef Elon Musk reagiert zunehmend dünnhäutig auf den Gegenwind. Verzettelt sich in spontanen PR-Aktionen wie der sinnlosen Entsendung eines U-Bootes, um die in einer Höhle eingeschlossenen thailändischen Jugendlichen zu retten. Widmet sich seinen Weltraumplänen und dem Verkauf von Flammenwerfern. Spekuliert gar öffentlich über einen Rückzug Teslas von der Börse und schickt damit den Wert der Anteilsscheine auf eine Achterbahnfahrt – gegenwärtig notiert der Aktienkurs deutlich unter seiner Höchstnotierung. Zuletzt kassierte er den Plan, Tesla nicht weiter an der Börse zu führen, wieder ein. Als wäre das Ganze nur mal ein harmloser Testballon gewesen, ganz ohne irgendwelche Auswirkungen.

Die logische Folge: Zweifel werden zunehmend lauter, ob Musk, der geniale Gründer, auch in der Lage ist, den schnell gewachsenen Autohersteller wieder in ruhige Fahrwasser zu führen und weiterwachsen zu lassen. Wäre es nicht an der Zeit, die Geschicke einem erfahrenen, besonnenen Chef zu überlassen, der sich selbst hinter dem Unternehmen zurücknimmt?