Fahrerinnen und Fahrer, die einen älteren Diesel (Euro-5-Diesel oder Euro-4-Diesel) besitzen, haben nun zwei Möglichkeiten: Entweder sie kaufen ein neues Auto und sollen dabei eine "Umtauschprämie" erhalten. Oder sie lassen ihr Fahrzeug nachrüsten. Damit ist nicht etwa ein Softwareupdate gemeint, auch wenn die Autoindustrie dafür ebenfalls den Begriff Nachrüstung verwendet. Sondern ein tatsächlicher Umbau am Katalysator. Wir erklären, was Dieselfahrerinnen und Dieselfahrer jetzt beachten sollten.

Ich habe einen alten Diesel – gibt es Hilfe bei Nachrüstung oder Umtausch?

Es kommt auf die Region an. Nur Autos in 14 besonders schadstoffreichen Städten Deutschlands haben derzeit Anspruch auf Nachrüstung oder Umtauschprämie, darauf hat sich die Bundesregierung mit der Autoindustrie verständigt. Man muss aber nicht gleich seinen Wohnsitz in diesen Städten haben. Es reicht schon, dass man dort arbeitet oder in den angrenzenden Landkreisen wohnt und sich häufig in der betroffenen Stadt mit dem Auto aufhält. Die 14 Städte sind: Köln, Düsseldorf, Bochum, Düren, München, Stuttgart, Backnang, Heilbronn, Ludwigsburg, Reutlingen, Darmstadt, Limburg an der Lahn, Kiel und Hamburg.

Außerdem hat das Bundesverkehrsministerium angedeutet, die Regelung auch auf weitere Städte und Regionen ausweiten zu wollen, in denen die Gerichte Fahrverbote verhängen. In Berlin wurde erst am Dienstag ein solches Urteil gefällt, allein in diesem Jahr stehen noch für fünf weitere Städte Gerichtsentscheidungen über Dieselfahrverbote an, teilte die Deutsche Umwelthilfe mit.

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Woran erkenne ich die Schadstoffnorm meines Diesels?

Dazu müssen Autofahrerinnen und -fahrer in den Fahrzeugschein schauen, das Dokument trägt den Namen Zulassungsbescheinigung 1. Wurden die Papiere vor 2005 ausgestellt, geben die letzten beiden Zahlen im Feld Schlüsselnummer zu 1 Aufschluss über die Norm. Sind die Papiere nach 2005 ausgestellt worden, sind die Angaben im Feld 14.1 zu finden. Wenn dort eine Zahl zwischen 00 und 88 steht, handelt es sich um die Normen Euro 1 bis Euro 4 und das Fahrzeug ist von den Fahrverboten betroffen.

Einen Euro-5-Diesel erkennt man an den Schlüsselnummern 35A0 bis 35M0. Wenn es sich um einen Euro-6-Diesel handelt, stehen dort die Nummern 36N0 bis 36Y0, dann gelten die aktuellen Einschränkungen nicht.

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Welche Wagen kann man nachrüsten, wie teuer ist das und wer trägt die Kosten?

Bereits im April und Mai 2018 kamen zwei Expertengutachten zu dem Urteil, dass eine Nachrüstung von Diesel-Pkw sehr teuer und daher eher unwirtschaftlich ist. Zwischen 3.000 bis 11.000 Euro würden demnach für einen Eingriff an der Motorhardware anfallen. Dabei wird eine zusätzliche Abgasreinigungstechnik eingebaut, der sogenannte SCR-Katalysator. Nachrüsten lassen sich aber nicht alle Fahrzeuge. Generell kommt das nur für Euro-5-Diesel infrage, aber es gibt viele Motorenmodelle, bei denen es gar nicht möglich ist, weil entsprechende Systeme fehlen.

Voraussichtlich werden auch die meisten Dieselfahrerinnen und -fahrer auf den Kosten für eine Nachrüstung sitzen bleiben. Volkswagen hat zwar angekündigt, bis zu 80 Prozent der Kosten zu tragen – allerdings nur, wenn alle Hersteller mitmachen. Das erscheint derzeit jedoch nicht realistisch, weil andere Autohersteller eine Kostenübernahme ablehnen. VW selbst will keine Nachrüstkatalysatoren entwickeln. Stattdessen werden Systeme von Drittanbietern verwendet. Einige dieser Hersteller haben angekündigt, 2019 entsprechende SCR-Katalysatoren anzubieten.

Die Bundesregierung erwartet, dass die Autohersteller für die Nachrüstkosten aufkommen. Aber rein rechtlich kann sie diese nicht dazu zwingen. Für Busse oder Lkw allerdings gibt es eine staatliche Förderung, wenn sie nachgerüstet werden.

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Wer haftet bei der Nachrüstung?

Viele Dieselbesitzerinnen und -besitzer fragen sich, wer die Haftung nach einem Eingriff am Katalysator trägt, wenn Folgeschäden auftreten. Tatsächlich ist diese Frage ungeklärt. Problematisch ist nach Ansicht von Experten der Nachweis über die Schadensursache. Volkswagen warnt bereits, dass derzeit kein System auf dem Markt sei, das langfristig getestet wurde, und es sich bei einer Nachrüstung um einen massiven Eingriff am Motor handele.

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Wer bekommt die Umtauschprämie und wie hoch ist sie?

Auf dem Dieselgipfel Anfang Oktober haben sich die Bundesregierung und die Automobilkonzerne darauf verständigt, dass Dieselfahrerinnen und -fahrer von den Herstellern Umtauschprämien bekommen sollen, wenn sie ihr altes Fahrzeug abschaffen und einen neuen Wagen kaufen. Die Details sind noch nicht sehr klar, aber die meisten Konzerne hatten schon lange sogenannte Umweltprämien im Programm (siehe auch nächste Frage). Dabei werden auch neue Diesel angeboten, von denen sowohl die Deutsche Umwelthilfe als auch der ADAC aber angesichts weiterer Fahrverbotsklagen grundsätzlich abrät.

Kritiker bemängeln, dass die Prämien auf den jeweiligen Listenpreis angerechnet werden sollen, das heißt: Die sonst üblichen Rabatte beim Kauf eines Neuwagens werden mit der Umtauschprämie verrechnet. Am Ende könnten die Dieselfahrerinnen und Dieselfahrer also dasselbe bezahlen wie jemand, der keinen dreckigen Verbrennungsmotor eintauscht.

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Welche Summen zahlen die jeweiligen Hersteller?

Generell nehmen alle Autohersteller die alten Fahrzeuge zurück und erstatten beziehungsweise verrechnen den Wert der Wagen mit dem Preis für das neue oder neue gebrauchte Auto. Darüber hinaus gibt es unterschiedliche Prämien.

Volkswagen etwa hat je nach Modell Umtauschprämien von im Schnitt 4.000 Euro für Dieselautos mit der Abgasnorm Euro 1 bis 4 und von 5.000 Euro für Euro 5 angekündigt. Der Konzern teilte aber mit, dass für die Berechnung der Prämie auch der konkrete Fahrzeugzustand und die Ausstattung eine Rolle spielen. Eine knappe Million VW-Dieselfahrerinnen und -fahrer gibt es allein in den 14 belasteten Städten und Landkreisen.

BMW hat angekündigt, zwischen 4.500 und 6.000 Euro für einen alten Diesel zahlen zu wollen. 6.000 Euro soll es geben, wenn der Kunde oder die Kundin einen Neuwagen wählt, 4.500 Euro immerhin, wenn ein junger Gebrauchter, also ein Fahrzeug, das nicht älter als 18 Monate ist, dafür erworben wird.

Mercedes bietet allen Fahrerinnen und Fahrern eines alten Diesels an, ihren Wagen gegen ein neues Auto oder einen neuen Gebrauchten von Daimler einzutauschen. Dafür gibt es 2.000 Euro Rabatt. 1.000 Euro Rabatt bekommt man beim Erwerb bestimmter Smart-Modelle. Einzige Voraussetzung: Die alten Diesel müssen mindestens seit einem halben Jahr in Deutschland auf den Kunden oder die Kundin zugelassen gewesen sein. Wer bereits Mercedes-Kunde war, erhält 5.000 Euro Umtauschprämie auf einen Neuwagen. Alte Diesel mit der Euronorm 1 bis 3 lässt Daimler verschrotten, die Besitzer bekommen dafür nur den Materialwert angerechnet.

Opel bietet seinen Kundinnen und Kunden beim Umstieg auf einen Neuwagen eine Prämie zwischen 3.500 Euro und 7.000 Euro auf den Kaufpreis an. Beim Kauf eines Opel Corsa etwa bekommt man 3.500 Euro Rabatt, für einen neuen Astra 5.000 Euro und einen neuen Insignia 7.000 Euro.

Renault hat bis zu 10.000 Euro Umtauschprämie angekündigt. Die konkrete Summe hängt vom jeweiligen Modell ab. Weil Renault viele eher günstige Klein- und Mittelklassewagen herstellt, sind in diesem Segment die Prämien auch nicht so hoch. Für einen Clio etwa bekommen Kundinnen und Kunden 3.000 Euro. Der französische Autobauer nutzt das Programm allerdings, um generell den Absatz zu steigern: Auch für alte Benziner können Renault-Kundinnen und Kunden Prämien erhalten. Eine Prämie von 3.000 Euro bekommt man auch, wenn man ein Elektroauto der Marke kauft.

Bei Toyota bekommen Kundinnen und Kunden noch bis Jahresende einen sogenannten Dieseleintauschbonus in Höhe von 5.000 Euro, wenn sie ein Hybridfahrzeug kaufen.

Nissan bietet einen sogenannten Diesel-Deal an und gewährt bis Jahresende je nach Modell zwischen 3.000 Euro und 5.000 Euro Prämie. 5.400 Euro bekommt man beim Erwerb eines Elektrofahrzeugs – allerdings ist in diesem Rabatt eine staatliche Förderung enthalten.

Ford hat derzeit lediglich sein Umweltbonusprogramm ausgeweitet und gewährt Prämien je nach Modell zwischen 1.500 Euro für einen Ford Ka bis 8.000 Euro für einen neuen Ford Galaxy.

Seat bietet seinen Kundinnen und Kunden zwischen 3.000 bis 8.000 Euro Rabatt je nach Modell an.

Bei Mitsubishi, Seat, Škoda und PSA (Citroën, Peugeot und andere) sind Umtauschprogramme für alte Diesel gerade ausgelaufen.

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