Die VW-Tochter Audi hat laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung für die Zulassung von Autos in Südkorea jahrelang Fahrgestellnummern und Testprotokolle gefälscht. Der Hersteller habe spezielle Vorschriften nicht "abdecken", also nicht einhalten können, zitierte die Zeitung aus einem internen Audi-Prüfbericht. Das Unternehmen habe deshalb in Südkorea mit falschen Angaben die Zulassung von Autotypen erschlichen, die sonst keine Betriebserlaubnis erhalten hätten. Ein Unternehmenssprecher sagte dem Spiegel, es habe sich um eine "Folgestraftat" gehandelt. Zunächst hätten Mitarbeiter des Unternehmens Emissionswerte gefälscht. Um die Nachprüfung zu erschweren, seien den Testfahrzeugen falsche Fahrgestellnummern zugeordnet worden.

Die Staatsanwaltschaft München II ermittle wegen Betrugsverdachts, berichtet die Süddeutsche Zeitung weiter. Ermittelt werde gegen drei Audi-Beschäftigte; darunter seien aber keine heutigen oder früheren Vorstandsmitglieder, wohl aber leitende Angestellte.

Testprotokolle "gezielt manipuliert"

Der Prüfbericht der Audi-Revision zu Südkorea trägt den Zeitungsrecherchen zufolge das Datum 14. Juli 2016. Auf dem Verteiler des Berichts stand demnach an erster Stelle der ehemalige Vorstandschef Rupert Stadler, gefolgt von weiteren Managern. Die Prüfergebnisse besagten, dass Mitarbeiter in den Werken Ingolstadt und Neckarsulm seit 2013 Testprotokolle für die Zulassung von Fahrzeugen in Südkorea "gezielt manipuliert" hätten.

Betroffen seien Messergebnisse des Schadstoffausstoßes und des Kraftstoffverbrauchs. Testdaten und Kilometerzahlen der Autos sollten vortäuschen, dass die gesetzlichen Vorgaben eingehalten würden.

Um den Betrug zu vertuschen, seien dann Fahrgestellnummern gefälscht worden. In 18 Fällen sei eine falsche Fahrgestellnummer ins Testprotokoll eingetragen worden. Die manipulierten Unterlagen seien an den Verkauf in Südkorea geschickt worden, zur Vorlage bei den dortigen Behörden.

Zufälliger Fund

Die Dokumente, die zu dem Ermittlungsverfahren geführt haben, waren den Strafverfolgern laut Bericht bei einer Razzia wegen der Abgasaffäre im März 2017 in der Ingolstädter Audizentrale in die Hände gefallen. Von sich aus habe der Autohersteller die Ermittlungsbehörden nicht eingeschaltet.

Das Unternehmen teilte mit, es habe sich nicht an die Ermittler gewandt, da eine interne Kontrollabteilung noch mit einem Revisionsbericht zu dem Fall in Südkorea beschäftigt gewesen sei. Die Erkenntnisse aus diesem Bericht seien aber "mit den koreanischen Zulassungs- und Strafverfolgungsbehörden konsequent von einer gemeinsamen Arbeitsgruppe von Volkswagen und Audi" abgearbeitet worden. Gerichtsverfahren und Verurteilungen in Südkorea wie auch personelle Maßnahmen seien die Folge gewesen. "Der lokale Dienstleister, der für die Marken des Konzerns in Korea tätig war, wurde ausgetauscht", zitiert die Zeitung den Autokonzern.

Der frühere Audi-Chef Stadler sitzt unterdessen wegen der Abgasaffäre in Untersuchungshaft. Er weist allerdings alle Vorwürfe zurück.