Elon Musk hatte schon deutlich erfolgreichere Tage. Für manches Unheil ist der Tesla-Chef allein verantwortlich, andere sind Folgen eines absehbaren Marktgeschehens. Wegen seines irreführenden Tweets über einen möglichen Börsenabgang des Elektroautoherstellers muss er seinen Vorsitz im Verwaltungsrat aufgeben, zudem müssen er und Tesla jeweils 20 Millionen Dollar an geschädigte Investoren zahlen. Dann kommt das Unternehmen beim Abarbeiten der Bestellungen nicht hinterher: Auf das Model X, das elektrisch fahrende SUV von Tesla, müssen Kunden in den USA und in Europa aktuell vier bis fünf Monate warten. 555 Stück dieser Modellreihe wurden in Deutschland in den ersten neun Monaten dieses Jahres neu zugelassen, 40 Prozent weniger als im Vorjahreszeitraum.

Jetzt rollt auf Musk auch noch neue Konkurrenz aus der alten Welt zu: Audi, Jaguar und Mercedes bauen nun ebenfalls hochpreisige Elektro-SUV und konkurrieren mit dem Model X. Alle diese Fabrikate sehen ähnlich aus, zielen auf dieselbe Zielgruppe und gehören zum Wachstumssegment SUV. Allerdings sind die europäischen Modelle um die 30 Zentimeter kürzer als der Tesla und auch weniger wuchtig. Das Trio wird das größte Problem für Musk sein.

Darüber, welches das beste Auto dieser vier Anbieter ist, ließe sich leidenschaftlich diskutieren. Nicht aber darüber, dass die etablierten Hersteller wirtschaftlich stabiler dastehen, als es die junge Firma Tesla tut. Das Trio aus Europa baut bislang Autos mit Verbrennungsmotoren und verdient seit Jahrzehnten gut damit. Darum ist Geld für Investitionen in Elektromobilität vorhanden.

Der Stuttgarter Rivale kommt erst im Sommer 2019

Dass damit zunächst keine Gewinne gemacht werden, ist allen Beteiligten klar. Aber parallel verdienen Audi und Co. an ihren konventionellen Autos weiter. Musk kann das nicht, weil Tesla ausschließlich Elektrofahrzeuge anbietet. Ohnehin türmt sein Unternehmen seit Jahren Schulden auf und diese Lage macht es zunehmend schwierig, wieder an frisches Kapital zu gelangen. Musks Wettbewerber haben einen deutlich längeren Atem. Durchhaltevermögen ist ein für den Erfolg ausschlaggebender Faktor.

Während Audi und Mercedes ihre elektrischen SUVs nur vorgestellt haben, hat Jaguar die ersten i-Pace bereits ausgeliefert. Der englische Stromer ist vornehm und bietet viel Platz. Sein Lithium-Ionen-Akku hat eine Kapazität von 90 Kilowattstunden (kWh) und liefert die Energie für zwei Elektromotoren, die jeweils 147 kW (200 PS) leisten. Einer sitzt an der Vorder-, einer an der Hinterachse, angetrieben werden also alle vier Räder. Jaguar gibt die Reichweite mit 480 Kilometern an.

Wir haben das Auto getestet und festgestellt, dass im Alltagsbetrieb 400 Kilometer möglich sind, bei vorausschauender Fahrweise in der Stadt sogar 500 Kilometer. Die Rekuperation des Motors, also die Energierückgewinnung beim Verlangsamen, lässt sich in zwei Stufen einstellen und in der höheren so stark, dass sich das Auto allein mit dem Gaspedal fahren lässt. An Schnellladesäulen mit 100 kW sind in 40 Minuten 80 Prozent der Batterie voll, an einer Haushaltssteckdose dauert das Laden 24 Stunden. 

Etwas teurer soll der e-tron von Audi sein, wenn er ab Dezember an Kundinnen und Kunden ausgeliefert wird. Die Volkswagen-Tochter verlangt mindestens 79.900 Euro für das Modell, das Anfang Oktober auf dem Autosalon in Paris Publikumspremiere hatte. Damit war Audi der Letzte aus dem Trio – Mercedes hatte sein elektrisches SUV mit dem kryptischen Kürzel EQC vor Audi präsentiert, beginnt allerdings später mit der Auslieferung. Der EQC soll erst Mitte 2019 auf den Markt kommen.