Gilt für Fahrräder eine Geschwindigkeitsbegrenzung? Ein Tacho ist am Rad ja nicht vorgeschrieben, und die vorhandenen sind nicht geeicht. Woher weiß ich als Radfahrer also, wie schnell ich unterwegs bin?, will ZEIT-ONLINE-Leser Klaus Kuske aus Schwerin wissen. Leser Joachim Rudolf aus Dortmund beschäftigt ein ähnliches Thema: Er fragt, ob es eine Höchstgeschwindigkeit auf Radwegen gibt – und ob ein Radfahrer, der schneller unterwegs ist, auf der Straße fahren darf.

Während der Tour de France erreicht ein Fahrer mit seinem Rad durchschnittlich 41 km/h. Während einer Bergabfahrt kann ein Profi schon mal mit 100 Kilometern pro Stunde unterwegs sein. Von solchen Geschwindigkeiten sind Hobbyradfahrer meistens weit entfernt. Mit einem gewöhnlichen Rad und wenig sportlichen Ambitionen erreichen sie eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 10 bis 25 km/h. Mit einem Pedelec, also einem Rad mit Motorunterstützung, kommen sie auf 25 km/h, manche gar auf bis zu 45 km/h.

Fehlen Höhenunterschiede sowie Gegenwind, bringen es normale Radfahrer aber durchaus auch auf bis zu 50 km/h, mit besonders aerodynamischen Fahrrädern sogar auf 56 km/h. Der Geschwindigkeitsweltrekord, der mit einem speziell angefertigten Mountainbike ohne Hilfsantrieb auf einer Bergabfahrt erreicht wurde, liegt bei 223,3 km/h und treibt Porsche-Fahrern vermutlich den Angstschweiß auf die Stirn.

Doch wie schnell dürfen Fahrräder unterwegs sein? Gilt zum Beispiel Tempo 30 in einer innerstädtischen Straße nur für Kraftfahrzeuge? Nein, sagt Christian Janeczek, Fachanwalt für Verkehrsrecht in Dresden: "Grundsätzlich gelten die geschwindigkeitsregelnden Verkehrszeichen für Führer von Fahrzeugen aller Art, und damit auch für Fahrräder. Diese sind zwar keine Kraftfahrzeuge, aber Fahrzeuge im Sinne der Straßenverkehrsordnung (StVO)."

Bei Verstößen einer Radfahrerin oder eines Radfahrers werden jedoch die Bußgeldsätze aus dem Bußgeldkatalog nicht angewandt, fügt Janeczek hinzu. Der Grund: Diese Sätze beziehen sich ausschließlich auf Lenker von Kraftfahrzeugen. "Wird einem Radfahrer ein Verstoß vorgeworfen, ist ein angemessenes Bußgeld zu entrichten. Die Höhe liegt im Ermessen der Bußgeldstelle."

Der Verstoß eines Radfahrers sei grundsätzlich zwar schwerer nachzuweisen als bei Kraftfahrzeugen mit einem Tacho, sagt der Jurist. Fällt aber etwa in einer Spiel- oder verkehrsberuhigten Straße mit Tempo 30 ein Radler mit zu hoher Geschwindigkeit auf, wäre das fahrlässiges Handeln und der Delinquent müsste mit einem Bußgeld rechnen. Anders als von ZEIT-ONLINE-Leser Klaus Kuske angenommen ist allerdings auch der Tacho eines Kraftfahrzeugs nicht geeicht, sagt Janeczek.

Er weist auf zwei Sonderregelungen für Fahrradfahrer im bundeseinheitlichen Tatbestandskatalog hin. In beiden geht es um Radfahren in Fußgängerbereichen. Ein Bußgeld von 30 Euro ist vorgesehen, wenn ein Radfahrer zwar in der Fußgängerzone zugelassen ist, dort aber unangepasst schnell fährt und dadurch einen Fußgänger gefährdet (Tatbestandsnummer 141606). Fährt ein Radfahrer unerlaubt im Fußgängerbereich und gefährdet durch unangepasste Geschwindigkeit einen Fußgänger, droht ein Bußgeld von 35 Euro (141612).

"Eine genau festgelegte Geschwindigkeit gilt dabei nicht", merkt Janeczek an. Ob eine Geschwindigkeit angepasst ist oder nicht, hängt von mehreren Faktoren ab, etwa der Breite der Wege, der Anzahl an Fußgängerinnen und Fußgängern sowie anderen Fahrzeugen oder den Witterungsverhältnissen.

Zur Frage von ZEIT-ONLINE-Leser Joachim Rudolf sagt der Fachanwalt, dass auch auf Fahrradwegen keine feste Höchstgeschwindigkeit existiert. Für alle Radfahrerinnen und Radfahrer mit Tour-de-France-Ambitionen gilt jedoch Paragraf 3 StVO: Demnach dürfen sie nur so schnell fahren, dass sie ihr Fahrrad ständig beherrschen. "Zudem wird eine angepasste Geschwindigkeit verlangt, die die Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Witterungsverhältnisse sowie die eigenen Fähigkeiten berücksichtigt", sagt Janeczek.