Darf ein Radfahrer vom Gehweg aus den Knopf an einer Fußgängerampel drücken, warten, bis diese Grün zeigt, und dann den Überweg fahrend überqueren? Meines Wissens sollen beziehungsweise dürfen das Kinder bis zehn Jahre. Wenn Radler ihr Fahrrad schieben, ist das für mich in Ordnung – aber den fließenden Verkehr anzuhalten und über die grüne Fußgängerampel zu radeln, um gleich auf der anderen Seite weiter auf der Fahrbahn zu fahren, passt für mich nicht, schreibt ZEIT-ONLINE-Leser Harald Muske aus Ammerbuch.

Auf den ersten Blick sieht es wie ein Streich aus: Ein Radfahrer nutzt eine Ampel, um schneller ans Ziel zu kommen und den Autofahrern ein Schnippchen zu schlagen. Aber: "Wenn es sich, wie von Herrn Muske geschildert, um eine Fußgängerampel handelt, dann gilt das Lichtzeichen für zu Fuß Gehende und nicht für Radfahrer", sagt Herbert Engelmohr vom Automobilclub von Deutschland.

Er verweist auf Paragraf 37, Absatz 2 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Dort sind unter Nummer 5 und 6 die Verhaltensregeln von Fußgängern und Radfahrern an Ampeln aufgeführt. Unter Nummer 5, Satz 1 ist klar geregelt, dass eine mit dem Sinnbild "Fußgänger" gekennzeichnete Ampel nicht für Radfahrer gilt. In Absatz 2, Numer 6, Satz 1 heißt es weiter: "Wer ein Rad fährt, hat die Lichtzeichen für den Fahrverkehr zu beachten."

Hinzu kommt: Grundsätzlich dürfen Erwachsene nicht mit ihrem Fahrrad auf dem Gehweg fahren – außer sie sind mit einem Kind oder mehreren Kindern bis acht Jahre unterwegs. "Kinder bis zum vollendeten achten Lebensjahr müssen, Kinder bis zum vollendeten zehnten Lebensjahr dürfen mit Fahrrädern Gehwege benutzen", zitiert Engelmohr aus Paragraf 2, Absatz 5 der StVO.

Allerdings müssen die auf dem Gehweg radelnden Personen besonders Rücksicht auf Fußgängerinnen und Fußgänger nehmen. Sie dürfen diese weder gefährden noch behindern. Außerdem sollten sie ihre Geschwindigkeit anpassen. "Vor dem Überqueren einer Fahrbahn müssen Kinder und die sie begleitende Aufsichtsperson vom Rad absteigen", fügt der Rechtsanwalt hinzu.

Zusammenfassend lässt sich also sagen: Radfahrerinnen und Radfahrer dürfen eine Fußgängerampel nicht benutzen, um zügig eine Straße zu überqueren. "In der geschilderten Situation darf die Straße an der Fußgängerampel also nur zu Fuß überquert werden", sagt Engelmohr. Der Leser hat in diesem Punkt recht: Wer sein Rad schiebt, wird zu einem Fußgänger – und so darf die Ampel natürlich genutzt werden.