Welche Vorfahrtsregeln gelten auf einer Fahrradstraße?, will ZEIT-ONLINE-Leserin Dagmar Zölitz aus Kiel wissen.

Das Einrichten einer Fahrradstraße ist für Kommunen eine billige und einfache Lösung, um Radfahrenden mehr Platz und Sicherheit einzuräumen: einfach ein Schild mit dem Verkehrszeichen 244.1 aufstellen, selbiges zusätzlich auf die Straße pinseln und schon wird aus einer Straße eine Fahrradstraße. Dann dürfen andere Fahrzeuge wie Autos oder Lieferwagen hier nur noch fahren, wenn das durch Zusatzschilder – etwa für Anwohnerinnen oder Lieferanten – ausdrücklich erlaubt wird. Der ADFC empfiehlt ein zusätzliches Plakat oder Transparent aufzuhängen, um Autofahrer über die Regeln zu informieren.

Verkehrsschild zur Kennzeichnung einer Fahrradstraße © Bundesanstalt für Straßenwesen

Seit 1997 können Kommunen Fahrradstraßen ausweisen, nachdem das Konzept in ausgewählten Städten wie Münster, Bremen und Bonn getestet wurde. Mittlerweile gibt es Fahrradstraßen in vielen deutschen Städten, etwa in Kiel laut Website der Stadt 18 Fahrradstraßen mit einer Gesamtlänge von zehn Kilometern. Radlern in München stehen 62 Fahrradstraßen zur Verfügung.

"Auf Fahrradstraßen gelten die allgemeinen Vorfahrtsregeln der Straßenverkehrsordnung (StVO)", sagt Frank Häcker, Fachanwalt für Verkehrsrecht. Sprich: Ist eine Kreuzung nicht durch Verkehrszeichen oder eine Ampel geregelt, gilt rechts vor links.

Die Höchstgeschwindigkeit reduziert sich für alle, auch für Radfahrende, auf 30 km/h. Velofahrer dürfen nebeneinander radeln. Denn für sie ist die Fahrradstraße da – die im Einzelfall zugelassenen Autofahrer dürfen lediglich die Straße untergeordnet mitbenutzen. Allerdings: Kreuz und quer herumfahren dürfen die Radfahrer und Radfahrerinnen auch nicht, es gilt weiterhin das Rechtsfahrgebot.

Ohne das entsprechende Hinweisschild ist allerdings oft nicht zu erkennen, dass es sich um eine Fahrradstraße handelt. Dort sind vielerorts Autofahrer genauso unterwegs oder parken ihren Wagen wie anderswo in der Stadt – selbst wenn die Fahrradstraße nur für Anlieger zugelassen sein sollte, halten sich viele Pkw-Fahrer nicht daran.

Dass mehr Fahrräder eine bessere und lebenswertere Stadt schaffen, davon ist Mikael Colville-Andersen überzeugt. Der dänische Radaktivist von Copenhagenize argumentiert, dass die Straßen jahrhundertelang für alle da gewesen seien, doch seit rund 100 Jahren dem Automobil Vorrang eingeräumt werde: Radfahrer, Fußgänger, Kinder – alle müssten sich unterordnen. In einem Tedx-Talk erklärt der Radaktivist, weshalb es Zeit ist, dass die Straße wieder für alle da sein sollte.

Infrastruktur für Radfahrende ist ein Weg, mehr Menschen von den Vorteilen des Radfahrens zu überzeugen. Fahrradstraßen gelten auch politisch als leicht durchsetzbar, wenn Autos weiterhin dort fahren dürfen. Der große Wurf für eine zukunftsweisende Verkehrsplanung mit gleichberechtigten Verkehrsteilnehmern sind sie in der Regel aber nicht.