Auf einem Fahrrad gelten oft andere Regeln als für Auto- und Motorradfahrer. Doch selbst wer jeden Tag Fahrrad fährt, fragt sich oft, was er darf und was nicht. Fünf populäre Irrtümer – und was wirklich gilt.

Irrtum 1: Es ist verboten, mit dem Rad rechts zu überholen

Falsch: Laut StVO (§5, Abs. 8) dürften Radler Fahrzeuge, die auf dem rechten Fahrstreifen warten, mit mäßiger Geschwindigkeit und besonderer Vorsicht rechts überholen. Zum Beispiel an einer roten Ampel oder im Stau, also bei stehendem Verkehr. Aber nur dann, wenn genug Platz ist, heißt es von der Deutschen Anwaltshotline. Wer nicht vorbeikommt, muss warten – und die Autos sind nicht verpflichtet, Platz zu lassen.

Irrtum 2: Auf dem Fahrrad kann ich meinen Führerschein nicht verlieren

Das stimmt so nicht. Unter verschiedenen Voraussetzungen kann die Führerscheinbehörde daran zweifeln, dass der Betroffene geeignet ist, am Verkehr teilzunehmen. Wichtigstes Beispiel: Fahren unter Alkoholeinfluss. Ab 1,6 Promille ist ein Fahrradfahrer absolut fahruntauglich. Wer erwischt wird, muss mit Punkten in Flensburg und einer Geldstrafe rechnen. Außerdem kann die Behörde eine medizinisch-psychologische Untersuchung anordnen – wer durchfällt, verliert seine Fahrerlaubnis womöglich ganz. Auch wer mit dem Fahrrad über Rot fährt, kann seinen Führerschein verlieren: Denn auch dafür gibt es Punkte, und wenn man die Maximalzahl überschreitet, ist ein Fahrverbot die Folge.

Irrtum 3: Zwei Radfahrer dürfen nicht nebeneinanderfahren

Unter Umständen darf man nebeneinanderfahren: Dann, "wenn der Verkehr nicht behindert wird" (§2, Abs. 4 StVO). Nach Angaben der Anwaltshotline ist das etwa dann der Fall, wenn ein Auto mindestens 1,5 Meter Abstand zum Überholen einhalten kann. Ist die Fahrbahn zu eng dafür, müssen Radler hintereinanderfahren. Eine größere Gruppe Biker sollte sogar zu zweit nebeneinanderfahren: Denn ein Verband ist für Autos einfacher zu überholen als eine lange Schlange hintereinander fahrender Radler. Außerdem: Weil in verkehrsberuhigten Bereichen nur Schrittgeschwindigkeit gefahren werden darf und Autos deshalb nicht überholen dürfen, ist es erlaubt, nebeneinanderzufahren – wenn Radeln dort generell gestattet ist.  

Irrtum 4: Radfahrer müssen immer den Radweg benutzen

Das ist nicht ganz korrekt. Seit der StVO-Novelle 1997 müssen Radwege nur dann benutzt werden, wenn sie ein Verkehrsschild kennzeichnet (rund, weißes Fahrrad auf blauem Hintergrund). Entgegen der Meinung vieler Autofahrer müssen Radler also einen Radweg, der parallel zur Fahrbahn verläuft, nicht zwingend benutzen.

Irrtum 5: Ohne Helm trägt man eine Teilschuld an seinen Verletzungen

Automatisch gilt das nicht, hier entscheidet der Einzelfall. Es existiert in Deutschland zwar keine gesetzliche Helmpflicht. Doch ein Gericht gab einer schwerverletzten Radlerin eine Teilschuld, das führte zu einer Rechtsunsicherheit. Laut Anwaltshotline stellte der Bundesgerichtshof als oberstes Zivilgericht aber klar: Alltags- und Freizeitradler haben auch ohne Helm nicht immer eine Teilschuld an erlittenen Verletzungen. Wer dagegen mit dem Mountainbike oder Rennrad unterwegs ist, kann ohne Helm aufgrund des höheren Verletzungsrisikos eine höhere Mitschuld tragen.