Die Polizei hat nach einem mutmaßlichen Anschlag auf eine Bahnstrecke im Berliner Umland eine Flagge der Extremistenorganisation "Islamischer Staat" und arabische Schriftzeichen gefunden. Wie die Polizei mitteilte, wurden seit Beginn der Ermittlungen "mehrere Beweismittel sichergestellt". Zudem wurde das Gelände inzwischen zweimal abgesucht. Der Staatsschutz beim Landeskriminalamt prüfe derzeit, ob "die Gegenstände im Bezug zu der Beschädigung stehen".

Die Deutsche Bahn hatte die Polizei am Sonntagmittag über den Oberleitungsschaden auf einem Fernbahngleis zwischen dem Bahnhof Karlshorst und dem S-Bahnhof Wuhlheide informiert. Ein Halteseil war gerissen, ein Versorgungskabel beschädigt. Es handelte sich laut Polizei um einen "gefährlichen Eingriff in den Bahnverkehr". Der Staatsschutz prüft seitdem "eine politische Tatmotivation".

Zudem prüfen die Ermittler, ob es einen Zusammenhang zu einer ähnlichen Tat von Anfang Oktober in Bayern gibt. Damals hatten Unbekannte ein Stahlseil über die ICE-Trasse im mittelfränkischen Allersberg nahe Nürnberg gespannt. Ein ICE auf dem Weg von Dortmund nach München zerriss das Seil, lediglich die Frontscheibe wurde beschädigt. Fahrgäste kamen nicht zu Schaden.

Auch in Bayern wurden einem Bericht des RedaktionsNetzwerks Deutschland zufolge Zettel mit arabischen Schriftzeichen in der Nähe der Trasse und weitere Flugblätter ähnlichen Inhalts gefunden. Sinngemäß heißt es demnach darin, solange die EU den Kalifatsstaat angreife, würden weitere Anschläge auf die Bahn stattfinden.

Laut dem Bericht prüfen die Ermittler indes, ob der versuchte Anschlag nicht vielmehr einen rechtsextremen Hintergrund hatte. Sie werten die gefundenen Dokumente als eine Art Ablenkungsmanöver. So stammten die Texte aus einschlägig bekannten Internetforen, seien frei verfügbar und könnten leicht von jedem anderen verwendet werden. Möglich sei, dass diese Schreiben verwendet wurden, um eine Verbindung zur islamistischen Szene vorzugaukeln.

Anfang November dann wurden Drohungen gegen den europäischen Bahnverkehr bekannt. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft München und dem Bayerischen Landeskriminalamt handelte es sich dabei aber lediglich um abstrakte Drohungen, konkrete gebe es nicht.