Elon Musk hat in Los Angeles den Testtunnel seines unterirdischen Transportsystems vorgestellt. Geladene Gäste konnten kurze Fahrten im sogenannten Loop unternehmen, der nach den Plänen von Tesla-Gründer Musk weltweit zwischen großen Städten gebaut werden soll.

Für die Testfahrten wurden die Gäste mit einem Elektroauto zum Startpunkt in einer Wohngegend gebracht. Dort beförderte ein Autolift sie etwa neun Meter in die Tiefe, wo das Auto dann durch eine schmale Röhre fuhr. Reporter von CNBC und Washington Post beschrieben die Fahrt als holprig, aber beeindruckend. Musk sagte zu den unruhigen Fahrten, ihnen sei beim Bau die Zeit ausgegangen. Es habe Probleme mit der Geschwindigkeit der Maschinen gegeben. Zukünftige Systeme sollten aber so glatt sein wie Glas. "Das hier ist nur ein Prototyp", so Musk. 

Der etwa 1,8 Kilometer lange Tunnel verläuft unter den Straßen von Hawthorne in Kalifornien. Er ist als Machbarkeitsnachweis von Musk und der von ihm für das Projekt gegründeten Boring Company gedacht.

Die Idee ist, dass autonome, elektrisch betriebene Autos mit Autoliften abgesenkt werden. Die Lifte haben keine Wände, so dass sie überall angelegt werden können. An die Vorderräder einfahrender Fahrzeuge soll eine Art waagerechte Stützräder angebaut werden, die sie mit Schienen an den Wänden in der Spur halten. Das Auto fährt dann mit eigenem Antrieb durch die Röhre. Die Kosten für solch einen Umbau gab Musk mit 200 bis 300 Dollar pro Fahrzeug an. Im Inneren des Systems sollen jedoch auch Fahrzeuge für Fußgänger und Radfahrer bereitstehen.

"Das ist eine unterirdische Autobahn"

Im Tunnel sollen sich die Autos mit hoher Geschwindigkeit fortbewegen können. Nach den Vorstellungen der Entwickler sollen bis zu 240 Kilometer pro Stunde erreicht werden. "Das ist mehr eine unterirdische Autobahn als eine U-Bahn", sagte Musk. Bei den Testfahrten erreichten die Autos bisher aber nur eine Geschwindigkeit von etwa 80 Stundenkilometern.  

Der Leiter der Boring Company, Steve Davis, berichtete von großem Interesse an dem Tunnelsystem. Geplant sind bislang Projekte in Los Angeles, wo Baseballfans von einer U-Bahn-Station rasch zum Stadion der Dodgers gebracht werden sollen, und in Chicago, dessen Innenstadt mit dem Flughafen O'Hare verbinden werden soll. Beide Projekte werden gerade auf ihre Umweltauswirkungen geprüft.

Musk zufolge hat das Vorhaben in Chicago die größten Chancen, als Erstes zu eröffnen. Er hoffe jedoch darauf, dass in Los Angeles noch vor den Olympischen Spielen 2028 ein Tunnelnetz zur Verfügung stehe. Die Kosten für den Testtunnel gab Musk mit zehn Millionen Dollar (8,8 Millionen Euro) an. Das sei eine kleine Summe im Vergleich zu den meisten Tunneln, die eine Milliarde pro Meile (1,6 Kilometer) verschlängen.

Mit seinem Tunnelsystem will Musk das von ihm in der Vergangenheit mehrfach kritisierte Verkehrschaos in Großstädten beseitigen. Vor fast zwei Jahren hatte Musk bei Twitter erklärt, der Verkehr mache ihn verrückt. Seit Jahren promotet Musk auch das Hochgeschwindigkeits-Transportsystem Hyperloop, an dem eine Reihe anderer Firmen ebenfalls forschen. Auch wenn das Tunnelsystem der Boring Company damit nur indirekt zu tun hat, hat Musk bereits Kombinationen ins Gespräch gebracht, etwa eine Untergrund-Magnetbahn, die in hohem Tempo zwischen New York City und der US-Hauptstadt Washington fahren soll.

Musks Vorhaben stößt aber auch auf Kritik. In Los Angeles hatte die Boring Company daher zuletzt den Bau einer weiteren geplanten Röhre aussetzen müssen. Anwohner und Umweltschützer waren rechtlich dagegen vorgegangen. Sie monieren unter anderem, dass das Tunnelsystem nichts am eigentlichen Problem des hohen Verkehrsaufkommens in Metropolregionen ändere.