Die chinesische Regierung kennt laut einem Agenturbericht die Positionsdaten aller Elektroautos. Mehr als 200 Unternehmen aus der Automobilindustrie übermittelten die Informationen in Echtzeit, berichtete die Nachrichtenagentur AP unter Berufung auf mehrere Unternehmen und Experten. Darunter seien Autohersteller wie Tesla, Ford und General Motors, aber auch die deutschen Unternehmen Volkswagen, BMW und Daimler.

Allein in Chinas größter Stadt Shanghai werden demnach 220.000 Fahrzeuge überwacht, landesweit sind es sogar 1,1 Millionen Fahrzeuge. Mehr als 60 verschiedene Informationen werden dem Bericht zufolge vom Shanghai Electric Vehicle Public Data Collecting and Research Center (SHEVDC) gesammelt. Durch den Umfang der Daten ließen sich ein Bewegungsprofil jeder Autofahrerin erstellen und Rückschlüsse auf Wohnort oder Arbeitsplatz ziehen.

In dem AP-Berichtverweisen die Hersteller darauf, sie befolgten lediglich spezielle Gesetze für Elektroautos. "In China gibt es Echtzeit-Überwachungssysteme, bei denen wir Autodaten an ein Regierungssystem liefern müssen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Volkswagen Group China, Jochem Heizmann. Sein Unternehmen könne nicht ausschließen, dass die Daten für die staatliche Überwachung verwendet werden.

Ohne Überwachungssystem gibt es keine Zulassung

Mit den Daten lasse sich auch der Halter des überwachten Fahrzeugs ermitteln, sagte ein VW-Sprecher Spiegel Online. Allerdings lieferten Autos nicht mehr Informationen als Smartphones. "Ohne diese Überwachungssysteme darf in China kein einziges Elektroauto zugelassen werden", bestätigte der VW-Sprecher dem Bericht zufolge weiter. In Deutschland gebe es eine derartige Praxis nicht.

Die Daten der Elektroautos würden für die Verbesserung der öffentlichen Sicherheit und die Entwicklung der Infrastruktur benötigt, sagte die chinesische Regierung gegenüber AP. Sie seien dazu da, "um Vorfälle im Zusammenhang mit einer Fehlfunktion der Batterie zu vermeiden und die Sicherheit zu erhöhen". Die Erhebung verhindere zudem Subventionsbetrug. In der Vergangenheit hatte es Berichte über Firmen gegeben, die Fördergelder für Elektroautos kassierten, die es gar nicht gab.

Die Übermittlung der Daten wird von Experten jedoch kritisch gesehen. "Man erfährt sehr viel über die täglichen Aktivitäten der Menschen", sagte Michael Chertoff, ehemaliger Heimatschutzminister unter Ex-US-Präsident George W. Bush, dem Bericht zufolge. Die Methode sei Teil einer allgemeinen Überwachungsstrategie. Dabei würden fast alle Informationen aufgezeichnet, die dem Staat helfen, die Freiheit der Menschen einzuschränken.

Die Autobauer sollten sich selbst grundlegend hinterfragen, "wenn sie einer Regierung eines autoritären Landes die Werkzeuge für eine massive Überwachung geben", sagte Chertoff weiter. Die Hersteller selbst sehen erst einmal keinen Handlungsbedarf. Nahezu alle haben angekündigt, ihr Angebot an Elektroautos in China massiv auszubauen.