Aufgrund von Drohnensichtungen ist der Londoner Flughafen Gatwick seit Mittwochabend fast durchgehend gesperrt. Die Störaktion droht den Flugbetrieb auch den kompletten Freitag über lahmzulegen. Trotz des Einsatzes von Armee und Polizei wurden am Donnerstagabend wieder Flugroboter über dem Rollfeld gesichtet, sodass das Start- und Landeverbot bis auf Weiteres in Kraft bleibt.

Am Mittwoch waren gegen 21 Uhr Ortszeit mehrere Drohnen über dem Rollfeld festgestellt worden, woraufhin alle Starts und Landungen ausgesetzt wurden. "Das ist eine präzise geplante Aktivität, die darauf ausgelegt wurde, den Flughafen lahmzulegen und maximale Behinderungen in der Vorweihnachtszeit zu bringen", teilte Gatwick-Geschäftsführer Stewart Wingate mit. Am Donnerstag waren 115.000 Reisende betroffen, für Freitag wurden weitere 126.000 Menschen in Gatwick erwartet.

Laut BBC hätten sich die Drohnen einer der Start- und Landebahnen genähert. Passagiere wurden aufgerufen, nicht anzureisen, ohne sich vorher bei ihrer Airline zu versichern, dass ihr Flug tatsächlich stattfindet. Am Donnerstag war der Flugbetrieb gegen 3 Uhr morgens zunächst wieder aufgenommen worden. Da jedoch erneut Drohnen in der Nähe des Flughafens gesichtet wurden, wurden ab 3.45 Uhr Ortszeit erneut alle Starts und Landungen untersagt. Insgesamt 760 Flüge durften am Donnerstag nicht in Gatwick starten oder landen.

Die Polizei in der Grafschaft Sussex bezeichnete die Störungen als "absichtliche Handlung", die sie mit allen verfügbaren Mitteln unterbinden werde. Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund gebe es keine. Mehr als 20 Einsatzgruppen suchen im Umfeld des Flughafens nach den Verantwortlichen. Verteidigungsminister Gavin Williamson kündigte an, zur Unterstützung auch die Armee einzusetzen.

Aufgrund der Sperrung saßen viele Passagiere stundenlang in ihren startbereiten Flugzeugen fest. Die Fluggesellschaft British Airways entschuldigte sich und verwies auf den Drohnenzwischenfall. Derartige Störungen seien etwas, "das wir nicht unter Kontrolle haben", erklärte die Airline. Die Fluggesellschaft EasyJet hatte bereits am Donnerstagnachmittag alle Flüge gestrichen und teilte mit, man rechne auch am Freitag mit Behinderungen. Der Billigflieger Ryanair lässt seine Flieger am Freitag am Flughafen Stansted nordöstlich von London starten und landen.

Der britische Verkehrsminister Chris Grayling kündigte an, dass an den anderen Flughäfen des Landes vorübergehend das Nachtflugverbot aufgehoben werde. Der Sprecher von Premierministerin Theresa May sprach von einem unverantwortlichen und inakzeptablen Akt. May versprach eine enge Zusammenarbeit der Behörden mit dem Flughafen. "Die Aktivität, die wir gesehen haben, ist illegal, und wer dabei erwischt wird, Flugzeuge in Gefahr zu bringen, kann eine Haftstrafe von bis zu fünf Jahren bekommen", sagte May.

Ankommende Flieger wurden zu teils Hunderte Kilometer entfernten Flughäfen umgeleitet. Zum Teil landeten Passagiere statt in Gatwick in Frankreich oder den Niederlanden. Der Flughafen Gatwick rief Passagiere via Twitter auf, den Status von für diesen Donnerstag geplanten Flügen bei der Airline zu prüfen. "Wir entschuldigen uns bei allen betroffenen Passagieren für die Unannehmlichkeiten, aber die Sicherheit unserer Passagiere und Mitarbeiter hat oberste Priorität", hieß es auf dem Twitter-Kanal des Flughafens. Gemeinsame Untersuchungen mit der Polizei seien angelaufen.

In den sozialen Netzwerken beschwerten sich derweil Reisende und fragten, wie es sein könne, dass Großbritanniens zweitgrößter Flughafen seinen eigenen Luftraum offenbar nicht im Griff habe.

Seit Juli schärfere Regeln für Drohnenbesitzer

In den vergangenen Jahren gab es etliche Berichte über Beinahe-Kollisionen von Drohnen und Passagierflugzeugen im Großraum London. Kleine Drohnen für Verbraucher sind immer beliebter – mit der Folge wiederholter Warnungen vor möglichen Gefahren für kommerzielle Flüge.

Ende Juli waren in Großbritannien neue Regeln für Drohnenbesitzer in Kraft getreten. Diese machen sich strafbar, sobald sich ihre unbemannten Fluggeräte einem Flughafengelände auf weniger als einen Kilometer nähern. Wird gar ein Flugzeug durch die Drohne gefährdet, riskiert der Besitzer eine Gefängnisstrafe von bis zu fünf Jahren. Auch in Deutschland wurde im vergangenen Jahr eine Drohnenverordnung erlassen, die unter anderem eine Kennzeichnungspflicht sowie Flugverbotszonen festlegt.

Von dem Verkehrschaos in der Vorweihnachtszeit sind zahlreiche Passagiere betroffen: Gatwick südlich von London ist mit jährlich 45 Millionen Passagieren der siebtgrößte Flughafen in der EU – in Großbritannien die Nummer zwei hinter dem europaweiten Spitzenreiter London-Heathrow.

Dadurch können selbst kleine Probleme eine Kettenreaktion in ganz Großbritannien und dem Rest Europas auslösen, gerade kurz vor und während Feiertagen mit ausgelasteten Luftverkehrskontrollsystemen. Über dem Flughafen werden eine Vielzahl von Kurz- und Langstreckenflügen abgewickelt – er gilt als wichtiges Drehkreuz für die Billigfluglinie EasyJet. In der Regel geht der Betrieb in Gatwick auch nachts weiter, doch wird die Zahl der Flüge aus Gründen der Lärmbegrenzung eingeschränkt.