Die Deutsche Bahn steht im Tarifstreit mit der Lokführergewerkschaft GDL sowie der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) vor langwierigen Verhandlungen. So wurden die Gespräche mit den Vertretern der EVG abgebrochen und auf diesen Mittwoch vertagt. Die Arbeitnehmervertreter der Lokführer verlangen nun ultimativ ein neues Angebot der Bahn. Laut GDL-Chef Claus Weselsky soll dies bis um zum frühen Vormittag vorliegen.

"Das jüngste Angebot über die Erhöhung des Entgelts in Verbindung mit der vorgeschlagenen Laufzeit war nicht akzeptabel", sagte Weselsky. Es sei nun nur noch bis neun Uhr Zeit, "um die strittigen Punkte einer Lösung in freien Verhandlungen zuzuführen", ergänzte der Gewerkschaftschef. Die Bundestarifkommission und der Hauptvorstand seiner GDL wollen dann den Stand der Tarifverhandlungen bewerten "und anschließend die erforderlichen Beschlüsse fassen". Die GDL könnte das Scheitern der Verhandlungen erklären und damit ein Schlichtungsverfahren einleiten. Erst danach darf sie nach geltender Vereinbarung zu einem Streik aufrufen.

Auch bei den parallel stattfindenden Verhandlungen der Bahn mit der EVG gibt es bislang keine Einigung. Wie schon am vergangenen Samstag unterbrachen die Gewerkschafter die Verhandlungen auch am Dienstagabend. Trotz des Warnstreiks am Montag konnte die Gewerkschaft die Bahn bislang zu keinen großen Zugeständnissen bewegen.

Beide Gewerkschaften fordern 7,5 Prozent mehr Lohn

Vor zwei Monaten waren beide Gewerkschaften mit einer Forderung nach 7,5 Prozent mehr Einkommen in die Tarifrunde eingestiegen. Die Bahn hatte am Wochenende eine Einkommenserhöhung in zwei Stufen angeboten: 2,5 Prozent zum 1. März 2019, weitere 2,6 Prozent zum 1. Januar 2020, bei einer Vertragslaufzeit von 29 Monaten. Für die Monate Oktober 2018 bis Februar 2019 sollte eine Einmalzahlung von 500 Euro hinzukommen.

Die EVG verlangte zuletzt für die erste Erhöhungsstufe 3,5 Prozent bei einer Laufzeit von 24 Monaten. Laut der Gewerkschaft sollte zumindest eine drei vor dem Komma stehen.

Die Bahn strebt an, bei den übergreifenden Tariffragen wie dem Entgelt mit EVG und GDL gleiche Abschlüsse zu erzielen. Bahn-Personalvorstand Martin Seiler hat mehrmals klargemacht, er wolle möglichst mit beiden Gewerkschaften "für gleiche Berufsgruppen auch zu vergleichbaren Ergebnissen kommen". Während die EVG etwa 160.000 Inlandsbeschäftigte der Bahn vertritt, verhandelt die kleinere GDL für einen Teil davon – rund 36.000 Beschäftigte. Darunter vor allem Lokführerinnen und Lokführer, Zugbegleiterinnen und Zugbegleiter, sowie Bordgastronomen.