Die Probleme einiger Autohersteller mit strengeren Abgasmessregeln haben das Neuwagengeschäft im zweiten Halbjahr 2018 stark belastet. Lediglich gut laufende Verkäufe in den ersten sechs Monaten sorgten dafür, dass die Bilanz des Gesamtjahres noch vergleichsweise moderat ausfällt. Wie die Statistik des Kraftfahrt-Bundesamts zeigt, sank die Zahl der Neuzulassungen zwischen Januar und Dezember gegenüber dem Vorjahr um 0,2 Prozent auf 3,44 Millionen. Es ist der erste Rückgang seit fünf Jahren.

Zur Jahresmitte war der deutsche Automarkt noch deutlich gewachsen: Ende Juni lagen die Neuzulassungen mit 2,9 Prozent im Plus. Der relativ geringe Rückgang im Gesamtjahr liegt auch daran, dass mehrere Hersteller vor der Einführung des neuen Messverfahrens WLTP ihre Neuwagen mit teils kräftigen Preisnachlässen verkauften und so im Sommer für ein Zulassungsplus sorgten.

Hersteller kämpfen mit der Umstellung auf WLTP

Ab September wurden Fahrzeuge mit Motoren, die den neuen Prüfstandstest noch nicht durchlaufen haben, nicht mehr zugelassen. Daraufhin war der Neuwagenmarkt eingebrochen: Im September fiel die Zahl der Neuzulassungen um fast ein Drittel, im November lag das Minus noch bei zehn Prozent. Der Grund: Hersteller kamen mit der Neuzertifizierung ihrer Fahrzeugmodelle nicht hinterher, einige Pkw-Varianten waren nicht lieferbar. Deshalb hätten viele Kunden den Kauf eines neuen Wagens verschoben, sagte der Branchenfachmann Peter Fuß von der Unternehmensberatung EY.

Inzwischen erholt sich der Neuwagenmarkt langsam. Im Dezember lag die Zahl der Neuzulassungen nur noch 6,7 Prozent unter dem Vorjahr. Die Probleme bei der Einführung des neuen Abgasmesszyklus hätten nachgelassen, erklärten Branchenvertreter. Sie nannten als Grund für das Minus vor allem, dass der Monat zwei Arbeitstage weniger gehabt habe als im Vorjahr.

Noch immer sind aber nicht alle Modelle mit der neuen Zertifizierung erhältlich. Fuß schätzt, dass der Pkw-Markt anzieht, wenn im Frühjahr alle Hersteller die WLTP-Zertifizierung abgeschlossen haben. "Wir gehen von einem relativ guten ersten Quartal aus", sagte der Autoexperte.

Nicht mal mehr jeder dritte Neuwagen fährt mit Diesel

Angesichts erster Dieselfahrverbote lässt das Interesse an Autos mit Dieselmotor immer weiter nach. Im vergangenen Jahr hatten 32,3 Prozent der Neuwagen einen Selbstzünder; 2017 lag der Anteil bei fast 39 Prozent. Noch vor drei Jahren fuhr fast jeder zweite Neuwagen mit Dieselkraftstoff. EY-Experte Fuß rechnet damit, dass der Dieselanteil weiter sinken wird, sollte weitere Städte Fahrverbote verhängen.

Inzwischen haben 62,4 Prozent der neu zugelassenen Pkw einen Benzinmotor. Trotz der Debatte über Klimaschutz und Luftreinhaltung in Städten spielen alternative Antriebe weiterhin nur eine untergeordnete Rolle. Ihr Anteil steigt jedoch. Die Zahl der Neuzulassungen reiner Elektroautos stieg gegenüber 2017 um 44 Prozent. Damit erreichen diese Fahrzeuge aber einen Marktanteil von lediglich 1,0 Prozent. Knapp vier Prozent der Neuwagen hatten einen Hybridantrieb aus Verbrennungs- und Elektromotor, davon entfiel ein Anteil von 0,9 Prozent auf Plug-in-Hybride, deren Akku an der Steckdose aufgeladen werden kann.