Nach Angaben der Deutschen Bahn sind im vergangenen Jahr rund zwei Prozent der Halte von Fernzügen ersatzlos ausgefallen. Als Gründe dafür nannte eine Sprecherin des Konzerns "externe Umstände wie Stürme, Hitze, Personenunfälle und Streik sowie technische und betriebliche Gründe".

Im Januar, August und Oktober vergangenen Jahres habe die Zahl der Ausfälle durchschnittlich sogar bei drei Prozent gelegen: Im Januar hätten vor allem Stürme zu Problemen geführt, im August habe die Sommerhitze Schwierigkeiten gemacht. Im Oktober habe vor allem der Brand eines ICE auf der Schnellfahrstrecke Köln-Frankfurt Ausfälle verursacht.

Aufgeschlüsselt lag nach Angaben des Unternehmens der Anteil ausgefallener Fernzughalte von ICE zwischen 1,6 und 5,0 Prozent, bei IC seien zwischen 1,0 bis 3,9 Prozent der Halte ersatzlos ausgefallen. Demnach warteten 2018 zwischen zwei und sieben Prozent der Reisenden vergeblich auf den Fernzug, mit dem sie fahren wollten.

"Ein Armutszeugnis für das Bahn-Management"

Der FDP-Bundestagsabgeordnete Torsten Herbst hatte die Anfrage zum Thema an das Bundesverkehrsministerium gerichtet. Herbst nannte die Quote eine "Zumutung für jeden Bahnreisenden und ein Armutszeugnis für das Bahn-Management".

Der Liberale kritisierte zudem, dass die ausgefallenen Züge nicht in die Verspätungsbilanz der Bahn eingerechnet würden: Dieses Vorgehen führe "die ohnehin schon schlechten Pünktlichkeitswerte der Bahn ad absurdum." Es sei falsch, dass ausgefallene Halte oder entfallene Züge nach Definition der Bahn auf die Pünktlichkeit keinen Einfluss hätten. Herbst forderte den Konzern auf, transparent zu informieren.  

Eine Bahnsprecherin ergänzte, dass im Jahresdurchschnitt rund ein Prozent der Fernzüge auf der gesamten Strecke ausgefallen seien. Wenn einzelne Bahnhöfe nicht angefahren worden seien, hätten die Fahrgäste zum Teil die Möglichkeit gehabt, an anderen Stationen in der Nähe auszusteigen.

Die Linkspartei fordert derweil direkten Einfluss der Regierung auf das operative Geschäft der Deutschen Bahn: Jan Korte, der Parlamentarische Geschäftsführer der Linksfraktion, sagte der Deutschen Presse Agentur, es gebe "unhaltbare Zustände bei der Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und der grundsätzlichen Erfüllung der Verkehrsbedürfnisse der Bevölkerung". Bund und Länder sollten deshalb zu einem Bahn-Gipfel zusammenkommen.

Die Deutsche Bahn ist als privatwirtschaftlichen Aktienunternehmen organisiert, die Anteile gehören aber dem Bund. Dass der Staat im Aufsichtsrat sitze, reiche nicht aus, sagte Korte. Die Führung der Bahn als privatrechtliches Wirtschaftsunternehmen ist in der Verfassung festgeschrieben.