Vor dem Krisentreffen der Spitze der Deutschen Bahn mit Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer kommenden Dienstag hat sich die Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) für einen Umbau des Staatskonzerns ausgesprochen. "Die DB AG wird in der heutigen Form nicht überlebensfähig sein", sagte der Vorsitzende der EVG sowie stellvertretende Bahn-Aufsichtsratschef Alexander Kirchner. "Nach meiner Einschätzung brauchen wir eine Bahnreform 2." Dazu gehöre, dass Fehlentwicklungen im Gesamtsystem endlich angegangen werden. "Nur Vorstände auszutauschen, reicht nicht", sagte Kirchner. Es sei auch mehr Geld vom Bund als Bahn-Eigentümer nötig.

Die bisher im Bundeshaushalt bewilligten Summen reichen laut Kirchner nicht einmal, um die vorhandene Infrastruktur zu erhalten. Der Investitionsstau betrage rund 50 Milliarden Euro. Um eine Trendwende zu erreichen, müssten im Bundeshaushalt jedes Jahr mindestens 2,5 Milliarden Euro zusätzlich bereitgestellt werden.

Bei der Zusammenkunft mit Scheuer müssen Bahnchef Richard Lutz und seine Vorstandskollegen der Bundesregierung Pläne für Wege aus der Krise des Logistikkonzerns präsentieren. Unter anderem geht es darum, die verschlechterte Pünktlichkeit zu erhöhen und mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen. Auch beim Gütergeschäft bestehen Probleme.

Scheuer erwartet nach Aussage eines Sprechers, dass sich die Qualität bei der Bahn "schon im laufenden Halbjahr spürbar verbessert". Es gehe vor allem um Pünktlichkeit und darum, dass ICE-Züge zu häufig in Wartungshallen seien. "Es muss sich also insgesamt für die Kunden spürbar etwas verbessern, und zwar zügig", sagte der Sprecher. Auch der Güterverkehr sei ein großes Thema: "Wir sind in einer wirtschaftlich hervorragenden Lage. Da kann es nicht sein, dass die Sparte des Güterverkehrs bei der Bahn so stark schwächelt."

"Schritt für Schritt besser werden"

Lutz zeigte sich zuversichtlich, "dass wir im ersten Halbjahr dieses Jahres Schritt für Schritt besser werden". Mit dem Aufsichtsrat sei für 2019 ein Pünktlichkeitsziel im Fernverkehr von 76,5 Prozent vereinbart worden, sagte er der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung. Dies wäre allerdings nur eine leichte Verbesserung. Im vergangenen Jahr war jeder vierte Fernzug der Deutschen Bahn verspätet gewesen. Im Jahresdurchschnitt erreichten nur 74,9 Prozent der ICE, Intercitys und Eurocitys ihre Ziele pünktlich.

Nach Informationen der Bild am Sonntag soll Infrastrukturvorstand Ronald Pofalla als konzernübergreifender Krisenmanager bis zum Sommer die Probleme bei der Bahn in den Griff bekommen. Darauf hätten sich Lutz und Pofalla geeinigt.

Um den wachsenden Finanzbedarf für mehr Züge und Personal zu decken, sind auch Anteilsverkäufe im Gespräch. Dazu gehört eine mögliche Veräußerung der Konzerntochter Arriva, in der das Geschäft mit Bussen und Nahverkehrszügen im Ausland gebündelt ist. Rund ein Drittel der 330.000 DB-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter ist inzwischen im Ausland tätig.

Nach einem Bericht der Süddeutschen Zeitung favorisiert die Bahn-Führung einen raschen Arriva-Verkauf. Das könnte dem Konzern noch in diesem Jahr 3,5 Milliarden bis 4 Milliarden Euro in die Kassen spülen, schreibt das Blatt. Die britische Tochter solle komplett an Investoren verkauft werden. Bei einem Beschluss könnte das Geschäft schon im zweiten Halbjahr über die Bühne gehen.