Mehr als drei Jahre nach Bekanntwerden des Dieselskandals soll es endlich technische Nachrüstungen geben. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer hat Ende Dezember die technischen Anforderungen dafür veröffentlicht. Scheuers Vorgänger Alexander Dobrindt (beide CSU) hatte diese Vorschrift verzögert. Mit den Nachrüstungen haben viele Halterinnen und Halter von älteren Diesel-Pkw die Möglichkeit, legal in Fahrverbotszonen einzufahren. Deshalb werden etablierte Drittanbieter ab dem dritten Quartal dieses Jahres wohl etliche Nachrüstsätze verkaufen.

Der Hauptgrund, warum es solange gedauert hat: Es ist immer noch nicht geklärt, wer für die Kosten von etwa 3.000 Euro pro Fahrzeug aufkommt. Darüber wird es Streit geben, denn eine gesetzliche Verpflichtung, die Autohalter finanziell zu unterstützen, besteht für die Hersteller nicht.

Laut Kraftfahrtbundesamt waren Anfang des vergangenen Jahres 15,2 Millionen Dieselautos in Deutschland zugelassen, knapp ein Drittel aller Pkw. 3,8 Millionen erfüllen die aktuelle Schadstoffnorm Euro 6, die nicht von Fahrverboten betroffen ist – zumindest noch nicht. Im Fokus stehen die 5,7 Millionen Euro-5-Dieselautos. Sie bilden die größte Gruppe unter den Selbstzündern. Die Euro-5-Norm war der Standard bis Ende August 2015. Etliche dieser Autos sind also gerade richtig eingefahren. Eine Hardware-Nachrüstung ist darum in vielen Fällen sinnvoll – anders als massenhafte Verschrottung.

Kann man auch den Bestseller Golf 7 nachrüsten?

Das Ziel der Nachrüstung ist es, den Schadstoffausstoß zu senken und so die Luftqualität zu verbessern. Im Labor mussten Euro 5-Diesel den Grenzwert von 180 Milligramm Stickoxiden (NOx) pro Kilometer einhalten. Nach Berechnungen des Umweltbundesamtes waren es auf der Straße aber durchschnittlich 906 Milligramm. Keine Dieselgeneration war so dreckig. Für die Nachrüstbausätze fordert das Bundesverkehrsministerium den Nachweis, dass im realen Betrieb höchstens 270 Milligramm NOx pro Kilometer ausgestoßen werden. Dem Kraftfahrtbundesamt liegen bereits Anträge zur Freigabe der allgemeinen Betriebserlaubnis vor. Und während die Pkw-Halter noch ein paar Monate warten müssen, wurde für mehrere Nutzfahrzeugtypen von MAN und Mercedes schon eine Genehmigung erteilt.

Anbieter wie Baumot Twintec oder Dr. Pley SCR Technology entwickeln Nachrüstsysteme für diverse Motorenfamilien der deutschen Autokonzerne BMW, Daimler und Volkswagen. Allen gemeinsam ist, dass sie die Abgase über einen sogenannten SCR-Katalysator reinigen. Das geschieht durch Einspritzen einer Harnstofflösung, für die ein Tank in das Fahrzeug eingebaut werden muss – bei neuen Diesel-Pkw ist die SCR-Technik heute schon üblich.

Bei älteren Autos lässt sich ein solches System leichter nachträglich implementieren, wenn das betreffende Modell viel Bauraum hat oder in anderen Märkten wie den USA ohnehin mit einem SCR-Katalysator ausgerüstet war. Das ZDF hatte am Beispiel eines BMW X3 gezeigt, wie gut das funktioniert. Auch für den Volkswagen Passat wurde eine Lösung präsentiert und vom ADAC überprüft. In einem Golf 7 dürfte es dagegen eng werden: Es ist offen, ob es für das meistverkaufte Auto in Deutschland und Europa ein Umrüstsystem geben wird. Für Volkswagen wäre das unangenehm. Schließlich haben die deutschen Autokonzerne – anders als die Importmarken – eine Beteiligung an den Nachrüstkosten zugesagt.