Der größte Londoner Flughafen Heathrow hat wegen einer Drohnensichtung vorübergehend alle Abflüge gestoppt. Es handele sich um eine Vorsichtsmaßnahme, teilte der Airport mit. Man arbeite eng mit der Polizei zusammen. Nach nur einer Stunde wurde der verhängte Stopp wieder aufgehoben.

Erst kurz vor Weihnachten hatte ein Londoner Flughafen wegen mehrerer Drohnensichtungen seinen Betrieb für mehrere Tage eingestellt. Am Flughafen Gatwick wurden vom 19. Dezember an rund 50-mal Drohnen gesichtet. Am Tag darauf durften 760 Flüge in Gatwick weder starten noch landen, sie wurden zu teils Hunderte Kilometer entfernten Flughäfen umgeleitet. Insgesamt waren 140.000 Reisende betroffen.

Die Hintergründe sind bis heute unklar, es gab bislang keine Hinweise auf einen terroristischen Hintergrund. Zwei Personen wurden festgenommen. "Das ist eine präzise geplante Aktivität, die darauf ausgelegt wurde, den Flughafen lahmzulegen und maximale Behinderungen in der Vorweihnachtszeit zu bringen", teilte Gatwick-Geschäftsführer Stewart Wingate damals mit. Die Polizei in Sussex bezeichnete die Störungen als "absichtliche Handlung". Der Sprecher von Premierministerin Theresa May sprach von einem unverantwortlichen und inakzeptablen Akt. Mehr als 20 Einsatzgruppen suchten im Umfeld des Flughafens nach den Verantwortlichen. Verteidigungsminister Gavin Williamson kündigte an, zur Unterstützung auch die Armee einzusetzen. Der britische Verkehrsminister Chris Grayling kündigte an, dass an den anderen Flughäfen des Landes vorübergehend das Nachtflugverbot aufgehoben werde.

Strengere Drohnenkontrollen

Nach den Zwischenfällen in Gatwick hat die britische Regierung strengere Kontrollen der Fluggeräte verkündet. Künftig ist die Nutzung von Drohnen in einem Umkreis von fünf Kilometern um Flughäfen verboten, erklärte die Regierung am Montag. Bislang lag der Sperrradius bei einem Kilometer. Bei Verstößen drohen bis zu fünf Jahre Haft.

Außerdem wollen die britischen Flughäfen Gatwick und Heathrow künftig auf eine spezielle Abwehrtechnologie setzen. Die britische Nachrichtenagentur PA berichtete unter Berufung auf die beiden Airports, für die Antidrohnenausrüstung seien jeweils mehrere Millionen Pfund investiert worden. Damit solle die Bedrohung durch Drohnen beseitigt werden.

Überdies erhält die Polizei mehr Befugnisse. Sicherheitskräfte können Drohnennutzer künftig mit Bußgeldern in Höhe von bis zu 100 Pfund (umgerechnet 112 Euro) belegen, etwa wenn sie ihr Fluggerät auf Anordnung nicht landen oder die Betriebslizenz nicht vorzeigen. Polizistinnen und Polizisten dürfen außerdem mutmaßliche Drohnennutzer durchsuchen und die Drohnen beschlagnahmen – inklusive der darauf gespeicherten Daten. Ab November 2019 sollen Drohnenbesitzer zudem gesetzlich verpflichtet sein, sich zu registrieren.