Es ist ziemlich kess, sich an dem berühmtesten politischen Slogan Europas zu vergreifen. "Liberté, Égalité, Fraternité!", riefen einst die französischen Revolutionäre von den Barrikaden – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Diese Grundpfeiler des westlichen Wertesystems hat Citroën nun schamlos umgedichtet und gar ins Englische übersetzt: "Liberty, Electricity, Mobility" steht an der Wand des Pariser Fotostudios, wo das Konzeptauto Ami One auf Besucher wartet. Das Teilwort City ist genauso fettgedruckt wie Mobility.

Immerhin, die Freiheit ist noch da, aber sie wird nun gekoppelt mit Elektrizität und Mobilität. Und mit ziemlich revolutionären Ideen. Der Ami One, der sich Anfang März auf dem Genfer Autosalon präsentiert, sieht aus wie ein Würfel auf Rädern. Er ist 1,50 Meter breit und exakt genauso hoch, nur die Länge hat man auf 2,50 Meter gestreckt. Die Kunststoffpaneele der Vorder- und Rückseite sind identisch gestaltet, genauso wie die beiden Türen – die allerdings unterschiedlich angeschlagen sind. Während man die Beifahrertür wie bei jedem gewöhnlichen Auto bedient, öffnet die Fahrertür nach hinten, so wie in einem Rolls-Royce.

Nun ist es nicht so, dass es zweisitzige Fahrzeugstudien mit zweieinhalb Metern Länge noch nie gegeben hätte. Eine ist sogar in Serie gegangen, unter dem Namen Smart. Viel Konkurrenz hat das Daimler-Produkt im Zweisitzermarkt nicht. Möglicherweise ist Citroëns Idee also einfach nur falsch? "Nein", sagt Frédéric Duvernier, der Chefdesigner für Citroëns Konzeptautos. "Denn der Ami One ist kein Auto, sondern ein Mobilitätsgerät."

Microcar für alle ab 16

Das klingt etwas abgehoben, wird aber verständlicher, wenn man einen Blick in das sehr spartanische Cockpit wirft. Außer dem rechteckigen, abgerundeten Lenkrad findet man da nicht viel. Und so, wie Lichtschalter, Startknopf und Warnblinktaste gestaltet sind, sieht man ihnen den Widerwillen der Designer geradezu an, etwas so Profanes und Herkömmliches im Innenraum einzubauen.

Der Innenraum ist spartanisch eingerichtet. Der Fahrersitz ist verschiebbar, der Beifahrersitz nicht. © PR: Citroën

Das wichtigste Element ist ein kleiner Kasten oberhalb des Lenkrads: Dort legt man sein Smartphone hinein und dann wird nicht etwa nur das Infotainment des Handys ins Auto integriert. Eine spezielle App verwaltet das gesamte Auto, Tachometer inklusive – und die Navigationskarte des Handys wird ganz einfach in die Windschutzscheibe gespiegelt, Head-up-Display light. Selbst der Zugang zum Innenraum erfolgt über das Mobiltelefon.

Das Smartphone herrscht über das Auto. Nur so, glaubt man bei Citroën, lässt sich der heute jungen Generation noch der Betrieb oder gar der Besitz eines Autos schmackhaft machen. "Nur noch 60 Prozent der Pariser haben überhaupt ein Auto", sagt Duvernier. Absolut glaubhaft, wenn man sich das tägliche Chaos auf der Ringautobahn Périphérique ansieht. Und dann rückt der Chefdesigner mit dem speziell Französischen am Ami One heraus: "Man kann den Wagen bei uns ohne Führerschein fahren, ab 16, nach dem Ablegen einer theoretischen Prüfung."

Das ist in der Tat eine smarte Lösung für die Pubertierenden in Frankreich, doch in vielen anderen europäischen Ländern ist diese Voraussetzung nicht gegeben. Zwar gibt es auch in Deutschland die sogenannten Microcars (sie stammen überwiegend aus Frankreich). Den dafür mindestens nötigen Führerschein der Klasse AM gibt es ab 16 Jahren, in den östlichen Bundesländern derzeit schon mit 15. In Deutschland sind die maximal 45 Kilometer pro Stunde schnellen Microcars aber bislang kein durchschlagender Verkaufserfolg. Mit Preisen ab circa 13.000 Euro sind sie zudem vergleichsweise teuer.