Leih-E-Scooter sind ein potenzieller Massenmarkt, bei dem gewaltige Umsätze erwartet werden. "Die Verordnung ist Voraussetzung für den Verleih der Fahrzeuge in Deutschland", sagt Julian Blessin, Co-Gründer und einer der beiden Geschäftsführer von Tier Mobility mit Sitz in Berlin. Das Start-up hat im vergangenen Jahr in Wien damit angefangen, E-Scooter zu verleihen. Heute betreibt die Firma ihr Geschäft in zwölf Städten in acht Ländern. "Wir sind begeistert, wie unser Angebot angenommen wird", sagt Blessin. Er freut sich auch über die 25 Millionen Euro, die Geldgeber im Herbst zum Ausbau des Mietservices investiert haben.

"In Deutschland bieten wir unseren Service an, sobald es die Verordnung zulässt", sagt Blessin. Und zwar in allen relevanten Städten: zunächst in den großen, später in mittelgroßen ab 100.000 Einwohnern. Die Änderungen hätten dem Verordnungsentwurf gutgetan, meint der Geschäftsführer. So vereinfache der Wegfall der Mofa-Prüfbescheinigung das Leihgeschäft. "Was wir nicht begrüßen, ist die Versicherungspflicht", kritisiert Blessin. Eine solche gebe es in den anderen Ländern nicht, in den das Unternehmen tätig ist.

Ein Gerät für die letzte Meile

Das Leihen eines Kickrollers funktioniert bei Tier Mobility ähnlich dem Carsharing. Eine App zeigt den Standort der Fahrzeuge an, das passende wählt man darüber aus und öffnet dessen Verschluss mit einem Klick in der App. Fürs Entriegeln ist ein Euro fällig, jede Minute kostet 15 Cent.

In ein weiteres Berliner Start-up, das ebenfalls elektrische Tretroller vermietet, sind vor Kurzem stattliche 55 Millionen Euro Venture-Capital geflossen. Die junge Firma flash testet bislang ihr Angebot in Zürich und London und will dann das Angebot in weitere Länder ausweiten.

Scooter-Sharing könnte also die neue Art der Fortbewegung auf kurzen Strecken sein. Doch mit der Verordnung wird natürlich auch die Anschaffung eines eigenen Elektrokleinstfahrzeugs attraktiv – zum Beispiel für Pendlerinnen und Pendler, die die letzte Strecke zwischen S-Bahnhof und Arbeitsstätte überbrücken möchten. Längst gibt es einige Modelle im Angebot, und auch etablierte Hersteller steigen ein. Rechtzeitig zur neuen Verordnung hat BMW einen Elektrokickroller namens X2City auf den Markt gebracht, der die neuen Vorschriften erfüllt.